Wie ein Kater ein Leben verändert - Ein paar Worte zur Buchverfilmung "Bob, der Streuner"

Einen wunderschönen guten Tag, ihr Lieben! 
Als Katzenliebhaber im Allgemeinen und als Bob-Fan im Speziellen war ganz klar: den Film muss ich sehen! Gestern startete Bob, der Streuner, die Verfilmung des gleichnamigen Buches von James Bowen, in den deutschen Kinos. Bereits im Dezember 2014 stellte ich euch die bewegende Geschichte um den ehemals heroinabhängigen James und seinen ganz besonders haarigen Freund Bob vor, der James' scheinbar aussichtsloses Leben endlich eine neue Perspektive gibt. Nun hat es diese besondere Begegnung auch auf die Leinwand geschafft (VÖ 12. Januar 2017) und warum ich euch diesen Kinobesuch empfehle, erfahrt ihr in diesem Beitrag :-)

Worum geht es?

Offizielles Filmplakat. (via Concorde Filmverleih GmbH)
Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben … 
 

Wie hat es mir gefallen? 

Bob genießt die Aussicht. (via Concorde Filmverleih GmbH)
Bob und James finden einander an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie den jeweils anderen nicht nötiger brauchen könnten. Dieser Ton wurde bereits in dem gleichnamigen Buch angeschlagen und auch im Film selbst fortgesetzt. Wir folgen der Figur  James direkt zu Beginn durch sein verhunztes Leben auf der Straße. Die Passanten machen einen großen Bogen um den eigentlich recht talentierten Straßenmusiker, nur die wenigstens werfen ihm mal ein paar Pennies zu. Ausharren im Regen, Essensreste aus den Mülltonnen der Innenhöfe,  Standardprogramm für ihn. Hinzukommend sind alte Bekannte aus der Drogenszene, denen sich James aufgrund seiner Lebenssituation nur schwer entziehen kann. Er nimmt zwar am "Programm" teil und unterzieht sich einem Entzug von Heroin durch die Ersatzdroge Methadon, doch ohne festen Wohnsitz und ohne einen geregelten Tagesablauf will ihm diese Entwöhnung zunächst nicht wirklich gelingen. 

Bereits diese einleitenden Szenen schafften es, mich als Zuschauerin emotional mitzunehmen. Auf der Leinwand können eben viele Buchinhalte nochmal schärfer auf die Zuschauer einwirken, insbesondere die Musik und die einzelnen Aufnahmen schafften eine durch und durch trostlose Atmosphäre. Hinzu kommt auch noch, dass uns diese Szenen ja nun nicht wirklich fremd sind, wenn wir denn nur mal mit offenen Augen durch die Stadt gehen. Da es sich in der Verfilmung Bob, der Streuner aber um ein spezielles Einzelschicksal handelt, was eben nicht auf reiner Fiktionalität beruht, ist der Zuschauer emotional befangener, städtische Anonymität funktioniert hier nicht mehr. Nicht zuletzt deshalb will ich unbedingt auch gleich an dieser Stelle die schauspielerische Leistung von Luke Treadaway loben, denn er hat James Bowen und vor allem diese Trostlosigkeit überzeugend verkörpert. 

Bob kann den Cornflakes nicht widerstehen. 
(via Concorde Filmverleih GmbH)
Diese Trostlosigkeit zieht sich aber nicht durchgehend durch den Film, denn es gibt ja doch dann doch die eine oder andere helfende Hand (übrigens gespielt durch eine Altbekannte aus Downtown Abbey!), die Hoffnung in James Entwicklung hat und dann ist da ja auch noch Bob, der eines Tages einfach bei ihm in der Wohnung seinen Kopf in die Cornflakes-Packung steckt. Das Besondere hierbei: die Katze Bob spielt sich im Film selbst, auf einen fremden oder gar animierten Kater wird komplett verzichtet! Die zweite Besonderheit: da Katzen ja bekanntlich nicht sprechen sondern nur miauen können, wurde auf einen inneren Monolog verzichtet (James Bowen versucht im Buch selbst ja auch nur die Eigenarten von Bob zu interpretieren). Stattdessen wurde aber häufig aus Bobs Perspektive gefilmt, was vielen Szenen einen besonderen Witz, vor allem aber auch Charme verliehen hat. 

James mit seiner Nachbarin Betty. (via Concorde Filmverleih GmbH)
Auch gut haben mir die Szenen mit Betty, James' Nachbarin, gefallen. Im Buch selbst ist Betty ja eigentlich die helfende Ex-Freundin, im Film weicht die Geschichte an dieser Stelle etwas vom Buchinhalt ab, was aber der Gesamtmessage keinen Abbruch tut. Ich finde sogar, dass die Betty aus dem Film mit sehr viel mehr Pepp rüberkommt. Sie hat ihr einen ganz besonders witzigen Charakter und kommt sehr keck rüber. 
James und Bob bei der Arbeit. (via Concorde Filmverleih GmbH)

James kann in vielen Szenen im Film sein plötzliches Glück kaum fassen (bei der Wohnungsszene hatte ich echt Gänsehaut!), und ganz besonders kann er es kaum fassen, dass Bob ihm nicht von der Seite weicht und so erlebt der Zuschauer nicht nur die Höhen der zwei besten Freunde (Doppelgänsehaut bei den gemeinsamen Auftritten der zwei!), sondern auch ihre Tiefen, denn als ehemaliger Drogenabhängiger ist es nahezu unmöglich einen einigermaßen gescheiten Job an Land zu ziehen, die Straßenmusik allein bringt es auf Dauer einfach nicht. Doch James muss und will  Verantwortung für Bob übernehmen und so begibt er sich auf Jobsuche, doch auch hier werden ihm vielerlei Hürden gestellt; selbst sein altes Leben will ihn noch nicht so recht loslassen. Auch diesen Szenen wechseln zwischen Witz und tiefer Atmosphäre. Dabei verlieren sie aber an keiner Stelle an Authentizität. Wie auch schon im Buch wird hier nichts beschönigend dargestellt, insbesondere die Szenen, die sich mit der Drogenvergangenheit von James beschäftigen, haben es in sich und sorgen für einen dicken Kloß im Hals. 

James Bowen wird sich womöglich aus all diesen Gründen im Film auch nicht selbst gespielt haben. Aber wie bereits gesagt, verkörpert Luke Treadaway einen ganz hervorragenden James und er hat auch stimmlich so einiges auf dem Kasten. Die sechs eingespielten Songs, die eigens für den Film komponiert und von ihm eingesungen wurden, haben mir persönlich richtig gut gefallen. Trotzdessen muss der Zuschauer nicht gänzlich auf James Bowen verzichten, im Film ist er in einer Schlüsselszene zu sehen. Welche das ist, müsst ihr natürlich selbst im Kino anschauen! :-) 

Mit hat der Film Bob, der Streuner wirklich gut gefallen und es ist den Machern hier gelungen, eine tolle Buchadaption vorzunehmen, die sowohl atmospärisch als auch musikalisch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Selbst wenn nicht alles genauso erzählt wird, wie im Buch selbst, stören mich persönlich solcherlei Abweichungen nicht, der Film ist nicht zuletzt einfach auch mal ein anderes Medium. Auch Betroffenheit wird durch den Film suggeriert, aber er will dabei keinesfalls belehrend sein. Tatsächlich schafft er aber ein Bewusstsein dafür, zumindest mal darüber nachzudenken, welches Schicksal diese vielen Obdachlosen wohl ereilt haben könnte, und dass es tatsächlich den einen oder anderen gibt, der es mit ein bisschen Glück und ein wenig Hilfe (auch von vier Pfoten) doch noch aus dieser Situation raus schafft. 

Schaut euch den Film daher sehr sehr gerne an, auch wenn ihr die Bücher nicht gelesen habt! Es lohnt sich :-)

Lieblinks

Hier kommt ihr zur offiziellen Film Homepage und hier könnt ihr euch auch nochmal den Filmtrailer ansehen. Für weitere Sneakpics schaut auch gerne auf der offiziellen Film-Facebookpage vorbei. Ihr wollt vorher noch das Buch lesen? Bob, der Streuner von James Bowen ist im Bastei Lübbe-Verlag erschienen, hier entlang bitte

Drüber nachgedacht

Dass wir nicht alle in der glücklichen Situation sind zu spenden, ist ganz klar. Trotzdem will ich diesen Eintrag nicht nur dazu nutzen, euch einen tollen Film zu empfehlen, sondern auch um auf eine nennenswerte Aktion in diesem Zusammenhang aufmerksam zu machen: im Januar letzten Jahres wurde in Darmstadt ein Sozialer Zaun "eröffnet". Da der Januar die härteste Zeit für all jene ohne Obdach ist, haben sich zwei engagierte Menschen überlegt, einen Maschendrahtzaun aufzustellen, an dem Sachspenden in Plastiktüten aufgehangen werden können. Das kann von einem dicken Polluver, der vermutlich in der Altkleidersammlung gelandet wäre, bis hin zu einer neuen Zahnbürste oder Toilettenpapier fast alles sein, was den Menschen auf der Straße das Leben in den kalten Wintermonaten erleichtert. Bedürftige können sich vom Zaun das nehmen, was sie brauchen. Eine tolle Aktion, die es so oder so ähnlich auch in anderen Städten gibt, in vielen anderen Städten aber unbedingt dauerhaft installiert werden sollte, damit das Sachspenden erleichtert werden kann.


Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende, und gebt Bescheid, wenn ihr den Film gesehen habt, eure Meinung interessiert mich! 






(dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Entertainment Kombinat entstanden; 
die Bildrechte unterliegen, wenn nicht anders angegeben, der Concorde Filmverleih GmbH)

Kommentare

  1. Hallo Patrizia!
    Ich habe vor einigen Wochen den Trailer zu diesen Film gesehen und schon dieser hat mich sehr berührt. Das Buch habe ich leider noch nicht gesehen, werde dies aber in den nächsten Wochen nachholen bevor ich mir den Film anschaue.
    Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Es sind die wichtigsten Infos drinnen und tolle Bilder. Jetzt habe ich umso mehr Lust auf diesen Film bekommen. Toll von dir finde ich auch, dass du den "Zaun" noch eingebracht hast. Leider werden bedürftige Menschen viel zu oft ignoriert und ausgegrenzt. Das finde ich schade, da wir alle ja Menschen dieses Planeten sind und eigentlich als eine Einheit fungieren sollten und uns nicht gegenseitig bekriegen.
    Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben.

    Nochmal Danke für den tollen Beitrag!

    LG Tamii

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    1. Hallo liebe Tami :)

      Ganz lieben Dank für dein Feedback, ich bin sehr gespannt, wie dir Buch und Film gefallen werden!

      Viele liebe Grüße an dich,
      Patrizia :)

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