Ein paar Worte zu... Rick Yancey: Der letzte Stern (Die fünfte Welle #3)

Jugendbuch/Science Fiction | Hardcover, 384 Seiten | Goldmann Verlag | Preis: 16,99€  | erschienen am 3. Oktober 2016 | ISBN: 9783442313365 | Hier bestellen: Thalia eBook *amazon

Worum geht es?

Sie kamen, um uns zu vernichten: die 'Anderen', eine fremde feindliche Macht. Vier Wellen der Zerstörung haben sie bereits über die Erde gebracht. Sie töteten unzählige Menschen, zerstörten Häuser und Städte, verwüsteten ganze Landstriche. Sie verbreiteten ein tödliches Virus und schickten gefährliche Silencer, um jedes noch lebende Wesen aufzuspüren. Jetzt ist die Zeit der fünften Welle gekommen, die Vollendung ihres Plans, alles Menschliche auszurotten. Doch noch gibt es Überlebende: Cassie, Ben und Evan werden weiterkämpfen. Sie wollen die Menschheit nicht aufgeben. Und wenn sie sich selbst dafür opfern müssen...

Wie hat es mir gefallen?

Vorab wie immer ein Spoiler-Hinweis: da es sich hierbei schon um den finalen Band der The fifth Wave-Trilogie handelt, kann ich dir leider nicht garantieren, dass ich dir ein paar Einzelheiten aus Band Eins und Zwei vorwegnehme. Schau doch deshalb bei Interesse gerne bei meiner letzten Rezension zur Reihe vorbei :-)
"Das ist für Claire", sagte sie. "Du erinnerst dich an sie." Ich richtete mich wieder auf und rammte ihr meinen Handballen gegen das Kinn. (...) Sie brach vor meinen Füßen zusammen. "Das ist für die sieben Milliarden. Sie erinnern sich an sie." S. 57
Rick Yanceys Der letzte Stern war eines der Neuerscheinungen, denen ich in diesem Jahr massiv entgegen gefiebert habe. Immerhin konnten mich Die fünfte Welle und Das unendliche Meer im letzten Jahr richtig mitreißen und ich war sehr gespannt darauf, wie diese Welt, die ohnehin schon am Abgrund steht, von der letzten, der fünften Welle überrollt wird. Ich weiß ja nicht, was diese finalen Bände und ich derzeit für Schwierigkeiten haben, aber auch hier muss ich leider wieder sagen: meine Erwartungen von einem finalen Band wurden nicht erfüllt. 

Zunächst einmal zu den Charakteren. Wem erging es eigentlich auch noch so, dass hier einem völlig neue Buchfiguren präsentiert wurden, die aber eigentlich noch dieselben sind? Ich habe mit Cassie im ersten und zweiten Band unglaublich sympathisiert. In Der letzte Stern habe ich sie hingegen kaum wieder erkannt und sie ging mir darüber hinaus auch noch gehörig auf die Nerven - das war nicht Cassie! Sämtliche Probleme, um die sich ihre Gedanken so kreisten, erinnerten mich an solche eines pubertären, zickigen Teenagers. Sie wird in der Geschichte noch eine tragende Rolle spielen und schon zu Beginn hat sie sich bei mir ins Aus geschossen. 

Bereits in Das unendliche Meer wird die Geschichte mehr und mehr über verschiedene Perspektiven erzählt, das setzt sich im finalen Band auch so fort. Durch die viele Verluste zuvor bleiben allerdings nicht mehr viele Perspektiven übrig, sodass vor allem zwei Charaktere besonders zum Zuge kommen - Ringer und Zombie. Ich will nicht unbedingt sagen, dass mich dies störte, immerhin ist dies auch nur wieder ein Einläuten auf eine Auflösung gen Ende, allerdings hätte ich mir doch mehr Cassie gewünscht (nur in weniger nervig) und vor allem die Figur Evan Walker kam meiner Meinung nach verdammt kurz. Die beiden kommen sich noch zu Beginn ziemlich nahe, aber an wirklicher Intimität fehlte es mir hier gänzlich - was war das denn bitte für ein erstes Mal? Diese innige Verbundenheit von Cassie und Evan aus den Bänden zuvor habe ich hier überhaupt nicht mehr gespürt und die Zeilen waren für mich mehr lückenfüllend als dramatisch, mal abgesehen davon, dass sie überhaupt keinen Sinn ergaben. Die Welt steht kurz vor dem Untergang, keiner weiß, ob es noch ein Morgen oder gar Übermorgen geben wird. Da erwarte ich als Leser schon etwas mehr zerreißende Leidenschaft und damit sind keine sexuell gefüllten Szenen gemeint, sondern eben solche, die mich als Leser Verzweiflung, Hoffnung, Wut, Trauer, Mut etc. pp. bei allen Beteiligten spüren lassen. Wenn sie sich doch wenigstens noch heulend in den Armen gelegen hätten...

Eine richtige Charakterentwicklung konnte ich letztlich nur für Ringer feststellen. In Das unendliche Meer wusste ich ja noch nicht so ganz, was ich von ihr halten soll. Jetzt in Der letzte Stern war sie für mich jedoch eine tragende Figur und zuletzt dann auch die einzige Perspektive, die mich noch ein wenig mitreißen und von sich überzeugen konnte, auch wenn ich ihre abschließende Rolle noch immer höchst fragwürdig finde.

Gepaart mit erneuten Schwierigkeiten beim Verorten in die Geschichte (so viele Dinge und Szenen, bei denen sich mir der Sinn nicht erschloss), hatten Der Letzte Stern und ich wirklich keinen guten Start und es sollte tatsächlich noch bis zum letzten Buchdrittel dauern, bis sich bei mir so etwas wie Spannung einstellte. Die explosiven und filmähnlichen Szenen aus den Bänden zuvor konnte ich für mich hier kaum wiederfinden, so als hätte Rick Yancey seine ganze spannungsgeladene Munition bereits vorher verpulvert. Sci-Fi konnte ich hier kaum noch finden.
Wir sind die Menschheit. Wir sind eins. (...) Wir sind sieben Milliarden, die geopfert wurden, unsere Körper bis auf die Knochen entblößt. Wir sind diejenigen, die beiseitegefegt wurden, die Ausrangierten, unsere Namen vergessen, unsere Geschichter verloren an Wind, Erde und Sand. Niemand wird sich an uns erinnern, unsere Fußspuren wurden verwischt, unsere Kinder und deren Kinder und die Kinder von deren Kinder im Krieg gegeneinander bis zur letzten Generation, bis zum Ende der Welt. Wir sind die Menschheit. (...) Wir sind das Schiff der zehntausend Seelen. Wir tragen sie; wir halten sie; wir behüten sie. Wir schultern ihre Bürde, und durch uns werden sie erlöst. S. 349ff 
Einzig an Poesie fehlt es im letzten Drittel der Geschichte mal so gar nicht und das will ich dem Autor auch gerne zu Gute halten, endlich kommt hier mal so etwas wie Endzeitstimmung auf. Und trotzdem haben sich für mich nicht alle Fragen geklärt. Leider lies mich das Ende dieser Trilogie auch eher mit einem Aha und Punkt zurück. So wirklich geklärt war da jetzt nichts und ich frage mich wirklich, ob es das nun gewesen sein soll? 

Die fünfte Welle habe ich mit voller Begeisterung gelesen und wegen der tollen Sci-Fi-Stimmung und den Kick Ass-Charakteren mit ganzen fünf Sternen bewertet. Das unendliche Meer konnte gut, wenn auch mit wenigen Patzern, an den ersten Band anknüpfen und wurde von mir mit vier Sternen bewertet. Tja, und Der letzte Stern leuchtet leider gar nicht mehr hell. Eigentlich hatte ich noch wohlwollend drei Sterne gegeben, aber nachdem ich hier mal all meine Fragezeichen verschriftlicht habe, sind es wohl doch eher so 2,5 Sterne. Schade Rick Yancey, aber mit Der letzte Stern hast du eine vielversprechende Dystopie im Sci-Fi/Jugendbuch-Bereich echt baden gehen lassen. 

Lieblinks

Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagswebsite. Hier kommt ihr zur offiziellen Homepage des Autors. Außerdem gibt es eine eigene Website für Die fünfte Welle, unter anderem mit ziemlich eindrucksvollen Booktrailern, die man sich gerne mal ansehen kann. Neben Die fünfte Welle hat Rick Yancey bereits eine andere Buchreihe geschrieben und komplett veröffentlicht. Die Monstrumologen-Reihe könnt ihr euch hier näher ansehen



 Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag :-)

Kommentare

  1. Guten Morgen!

    Ugh Cassie... Ich habe lange nicht mehr einen Charakter gehabt, der so schnell von spannend zu meganervig mutiert ist. Die Welt geht unter und sie denkt an Sex? Wie alt sind wir denn? 13?! Da war ich doch ziemlich froh, dass sich der letzte Teil ein bisschen mehr um Ringer und Zombie gedreht hat. Ich fand ja schon den zweiten Teil aus diesem Grund schrecklich, weshalb Band 3 bei mir wenigstens ein bisschen besser bewertet wurde ^_^
    Schade, Yancey hat es wirklich geschafft eine grandiose Idee in den Sand zu setzen.. Ein bisschen traurig bin ich ja schon :(

    Alles Liebe
    Henny

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  2. Hallo Patrizia,

    ich habe mittlerweile ein Viertel des Buches gelesen und musste jetzt mal in deine Rezension reinschauen. Ich tue mir im Moment noch wahnsinnig schwer wieder in die Geschichte reinzukommen. Die ersten beiden Bände fand ich so toll, besonders den ersten. Aber dieser ist wirklich wesentlich schwächer. Cassie kam mir bis jetzt auch zu kurz und ich finde sie auch ziemlich nervig. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    Danke für die Rezension!

    Alles Liebe
    Barbara von Barbaras Paradies

    P.S.: Bei mir gibt es gerade ein Gewinnspiel. Vielleicht möchtest du mal vorbeischauen!

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