Ein paar Worte zu... Marc Levy - Wer Schatten küsst

Marc Levy Wer Schatten küsst | Gegenwartsliteratur | Taschenbuch, 256 Seiten | Blanvalet Verlag | Preis: 8,99€  | erschienen am 20. Januar 2014 | ISBN: 9783442380268 | Hier bestellen: Thalia ebook *amazon


Worum geht es? 

Liebe hat viele Gesichter – doch nur eines werden wir nie vergessen … Als Kind stiehlt er die Schatten derer, die seinen Weg kreuzen – Freunde, Feinde und seine erste Liebe. Und erhält so Einblick in ihre Träume, Wünsche und Sorgen. Was soll er aber mit dieser Gabe anfangen, die ihn so verwirrt? Jahre später ist aus dem Schattendieb ein Arzt geworden. Hat er immer noch die Fähigkeit, die Sehnsüchte derer zu erahnen, die ihn umgeben? Erneut wird er mit der Frage konfrontiert: Kann er den Menschen dabei helfen, ihre Träume zu leben, statt ihr Leben zu träumen – und selbst das Glück und die Liebe finden?

Wie hat es mir gefallen?

Wahrscheinlich gehört Wer Schatten küsst zu den eher übersinnlicheren Romanen, die Marc Levy bisher geschrieben hat. Solange du da bist geht da in eine ganz ähnliche Richtung und doch ist der mir nun hier vorliegende Roman doch nochmal auf seine Weise ganz besonders. Hier wird zunächst die Geschichte eines Schuljungen erzählt. Er ist neu an seiner Schule, wird sogleich als Mobbingopfer auserkoren und wäre dies noch nicht schrecklich genug, verlässt dann auch noch sein Vater die Familie. All das macht etwas mit dem Jungen, dessen Name übrigens an keiner Stelle genannt wird. Aber es ist nicht so, als würde er durch diese emotionalen Lasten einbrechen. Stattdessen merkt er schnell, dass er sich so sehr in seine Mitmenschen einfühlen, ihnen sämtliche Gfühlslagen von der Nasenspitze ablesen kann, einfach nur indem er sich für kurze Zeit ihres Schattens bemächtigt. 
Endlich trat der ersehnte Effekt ein. Genau vor mir sah ich, wie sich mein Schatten über den Boden erstreckte. Ich hüstelte leicht und nahm all meinen Mut zusammen, um dann mit Bestimmtheit das zu erklären, dessen ich mir inzwischen sicher war. "Du bist nicht mein Schatten!" (S. 46)
Auf andere wirken seine Behauptungen stets sonderbar, er wird für sein Tun belächelt, nur eine kindliche Begegnung mit dem Mädchen Cléa bringt ihm endlich etwas Verständnis entgegen und natürlich die einzige Freundschaft, die er an seiner Schule hat, die zu Yves. 
 
Dann erfolgt ein Cut. Erst Jahre später, wenn der Protagonist schon als Medizinstudent tätig ist, treten wir als Leser nochmal mit ihm in Kontakt und begleiten ihn auf seine Reise. Nur auf eine Reise wohin? Wahrscheinlich ein bisschen auf die Reise ins Überall: zu alten und neuen Freundschaften; zu sich selbst; zu dem, was wirklich im Leben zählt und das ist ja bekanntlich für jeden anders definiert. Wer Schatten küsst arbeitet Verluste auf, sei es der Verlust verlorener Menschen, egal auf welche Weise sie verloren gingen. Der Verlust der Träume, sowohl die eigenen als auch die Träume anderer. Der Verlust der Selbstverwirklichung, der Verlust des Blickes für das Wesentliche. Und die Erkenntnis, wann Träume Wolkenschäume sind und wann es sich lohnt, für sie einzutreten.

Der Roman lebt nicht von rasanten Szenen, die mit übertriebenen Aktionen überladen sind, die Geschichte baut sich allmählich auf, viele Schauplätze plätschern angenehm vor sich hin und doch gibt jedes geschriebene Bild sehr viele Interpretationsmöglichkeiten. Gleichzeitig spielt der Autor in einfacher Sprache stark mit Nähe und Distanz. Der Protagonist ist vor allem  aufgrund seines nichtvorhandenen Namens für den Leser sehr unnahbar, und trotzdem hatte ich das Gefühl ihm beim Lesen doch nahe zu sein. Ich kann nichtmal genau sagen, warum das nun so ist. Vielleicht muss man sich mit solch einer Aussage ohne Begründung auch einfach zufrieden geben. Dabei hat mir der zweite Teil  der Geschichte, als der Protagonist schon im Erwachsenenalter ist, komischerweise ein klitzekleines bisschen mehr gefallen. Denn Distanzbewusstsein baut sich erst über die Jahre auf, wohingegen Kinder oftmals eher distanzlos sind. Aber ich konnte mich irgendwie mit diesem Alter besser identifizieren, als in den Kindheitsszenen, wobei diese natürlich auch etwas Magisches und Schönes an sich hatten - die Welt durch Kinderaugen sehen eben. 

Ich würde nicht sagen, dass Wer Schatten küsst Marc Levys bester Roman überhaupt ist, aber er ist für das Philosphische und Spirituelle eben besonders wertvoll und hilft dem Leser dabei, in sich selbst hineinzuhören. Gen Ende gibt es dann auch nochmal eine Textstelle, die mich den Atem anhalten ließ und die mich besonders berührt hat, auch wenn man es im letzten Romandrittel schon fast erahnen kann. Nichtsdestotrotz war dies nochmal ein Wow!-Moment, was mich dann auch zu einer Bewertung von 4 Sternen veranlasst hat. Wer Schatten küsst ist einerseits ein anderes Marc Levy-Buch und andererseits auch irgendwie nicht. Ich würde aber empfehlen, sich für die Geschichte Zeit zu nehmen und die geschriebenen Zeilen mit offenem Geist zu lesen, damit einem die versteckten Botschaften nicht durch die Lappen gehen.
 

Lieblinks

Marc Levy ist aufgrund seiner weltweiten Buchverkäufe Frankreichs erfolgreichster Autor. Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagswebsite. Und hier geht es zur offiziellen französischen Homepage von Marc Levy. Auf Facebook ist er aber auch zu finden. 



 Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! Wir lesen uns hier am Dienstag wieder :-)

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