Gemeinsam lesen #74: Marianna J. Voelk - Daniel, mein jüdischer Bruder

Hallöchen ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 74. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 
Und nun zu den Fragen für diese Woche:
1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese noch immer an Daniel, mein jüdischer Bruder von Marianna J. Voelk und bin aktuell auf Seite 117.

Darum geht's in Daniel, mein jüdischer Bruder:  
Starr vor Schrecken sieht Daniel, wie seine Eltern in ein Auto gezerrt und abtransportiert werden. Zitternd kauert er eine Weile hinter dem Schornstein, da sich noch Gestapo im Garten aufhält. Dann rennt er, so schnell er in der Dunkelheit kann, zum Wäldchen.

Als Daniels jüdische Eltern deportiert sind, besorgt ihm Rosalies Familie falsche Papiere und gibt ihn nach ihrem Umzug aufs Land als ihren leiblichen Sohn aus. Trotz der Angst davor, bei der Hitlerjugend entdeckt zu werden, verleben Rosalie und Daniel eine frohe Kindheit. Doch die ist bedroht, als Daniel eines Tages zum Arzt muss und sein Geheimnis entdeckt wird ...
Eine autobiografische Geschichte.  
(via Brunner
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

"David weihte Mirjam ein und legte ihr ans Herz, Rebekka nicht zu Daniel zu lassen."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Immerhin ist die Bebilderung in dieser Woche eine andere! Ich beschäftige mich noch immer mit Daniel, mein jüdischer Bruder und komme mittlerweile vom vielen Textabschnitt-Markieren ab. Stattdessen wird sich schonmal ersten Zeitzeugen-Berichten gewidmet, ich bin aber auch relativ guter Dinge, dass ich das Buch noch diesen Monat beenden werde und mich dann einer ausführlichen Rezension widmen kann. 

4. Isst oder trinkst du gerne beim Lesen? Wenn ja, was?
Mal abgesehen vom nachmittäglichen Kaffee kommen mir sonstige Speisen eher selten beim  Lesen unter. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich eben meist abends vor dem Schlafen lese. Da sind die Zähne schon geputzt - so simpel ist das.

Wie schaut es bei euch aus? Ess oder trinkt ihr beim Lesen? Und überdies, was lest ihr gerade? Schreibt es mir in die Kommentare! 

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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Summer Reading List '16

Einen wunderschönen Sonntag, ihr Lieben! 
Es ist noch keine zwei Monate her, da habe ich euch hier auf dem Blog meine erste Spring Reading List '16 vorgestellt. Statt der Leselisten am Ende eines jeden Monats versuche ich mich gerade am saisonalen Lesen, inbesondere deshalb, weil ich meinen SuB verstärkt abbauen will. Mein Frühlingsvorhaben könnt ihr nochmal im entsprechend verlinkten Post nachlesen. In diesem Beitrag will ich euch eher berichten, inwieweit ich mein Vorhaben umsetzen konnte und was ich mir nun für die Sommermonate vorgenommen habe. 
Insgesamt habe ich drei Bücher (von elf) von meiner Leseliste streichen können: 
  • Tahereh Mafi - Rette mich vor dir (Shatter me#2) 
  • Katie Marsh - Die Liebe ist ein schlechter Verlierer 
  • Dave Eggers - Der Circle 
Das ist jetzt keinesfalls die Welt, aber ich hatte ja bereits im Mai gesagt, dass meine Leseliste keinen Zwang beinhalten soll. Andererseits ging meine Frühlingsleseliste auch sehr spät online, für mein Sommer/Ferien-Vorhaben bin ich der Zeit sogar schon fast ein kleines bisschen voraus. Ansonsten kann ich bisher aber nur Positives zu meinem neuen Vorgehen sagen! Zwar habe ich mit Tahereh Mafi einen totalen Griff ins Klo verzeichnen können, andererseits habe ich den dritten und letzten Band dieser Trilogie gleich von meiner To Read-Liste gestrichen. Ein Buch weniger für den SuB! Weiterhin habe ich mich mit der lieben Livia verabredet (zu ihrem Blog geht es hier), um gemeinsam Die Liebe ist ein schlechter Verlierer von Katie Marsh zu lesen und zu besprechen. Das hat, selbst wenn die Zeit manchmal einfach zu knapp war, großen Spaß gemacht und vielleicht ergibt sich für die Sommer-Liste ja wieder so eine Verabredung?! Und so kommen wir ohne große Umschweife dann auch gleich zu meinem Sommer-Vorhaben! 
Da die Ferien schon vor der Tür stehen, darf es auch diesmal ein bisschen mehr Buchauswahl sein. Alle nicht gelesenen Bücher aus der Frühlingsliste rücken nach :-)

Dieses Buch wurde letztes Jahr von Sebastian Fitzek empfohlen, und weil das schon ein Jahr her ist und die Story nach Neustart und Aufbruch klingt, kommt es auf jeden Fall auf die Liste!

Laut der lieben Lotta von Lottas Bücher schon längst überfällig!

Da schwärmen alle von und eine Zeitreise in die 80er und in das schöne Gefühl des Verliebtseins passt doch perfekt zum Frühling! 

Nicole Boyle Rødtnes - Wie das Licht von einem erloschenen Stern
Klingt schon so supergut! 

Andreas Steinhöfel - Oskar, Rico und die Tieferschatten 
Was für's Kinderherz! 

Britta Sabbag - Pinguinwetter
Das Buch und die Fotzsetzung Pandablues liegen hier auch schon viel zu lange rum, außerdem ist es voll schön pink!
 

Marc Levy - Wer Schatten küsst
Marc Levy halt :-) 

Kerstin Gier - Silber: Das dritte Buch der Träume 
Man muss sich auch mal von einer Reihe trennen können! 

Frank Schätzing - Der Schwarm 
Mein Mammut-Projekt für die Ferien! 

Audrey Carlan - Calender Girls #1
Zum abschalten. 

Meg Wolitzer - Die Interessanten 
Das Buch ist eigentlich für den Lesekreis vom ARD bestimmt, aber ich werde es im Juni nicht beenden können, da das Buch einfach mal ein bisschen Zeit braucht, die ich ab Juli dann aber definitiv haben werde. Außerdem läuft gerade die Pilotfolge zur gleichnamigen Serie auf Amazon Prime an.

Petra Hülsmann - Hummeln im Herzen
Passt ganz gut in den Sommer, wie ich finde. 

Petra Hülsmann - Glück ist, wenn man trotzdem liebt
Rutscht am besten gleich hinterher! 

Gabriella Engelmann - Wildrosensommer 
Der Titel sagt es ja schon: SOMMER! 

Wer ebenfalls eines dieser Bücher auf dem SuB liegen hat und es gemeinsam lesen möchte, der kann sich gerne unten in den Kommentaren melden. Wie es sich insgesamt mit dieser Leseliste verhält, erzähle ich euch dann Ende September! Auf dass der SuB bis dahin um einiges geschrumpft ist - ich bin jedenfalls guter Dinge :-) 

Habt ihr ein Buch aus der Liste gelesen und könnt es empfehlen? Oder führt ihr vielleicht selbst eine Sommerleseliste? Schreibt es mir in die Kommentare! 
Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche, wir lesen uns hier am Dienstag wieder! 


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Ein paar Worte zu... Andreas Müller - Schluss mit der Sozialromantik! Ein Jugendrichter zieht Bilanz

Andreas Müller Schluss mit der Sozialromantik! Ein Jugendrichter zieht Bilanz| Sachbuch/Biografie | Verlag Herder | Flexcover, 240 Seiten | Preis: 16,99€| erschienen am 5. September 2013 | ISBN97834513090909
Hier bestellen: Thalia  eBook  *amazon


Einen wunderschönen Sonntag, ihr Lieben! 
Hin und wieder lese ich ja ganz gerne Bücher, die sich mit unserem Rechtssystem beschäftigen. Schluss mit der Sozialromantik! Ein Jugendrichter zieht Bilanz von Andreas Müller wurde mir wärmstens von einer Kollegin empfohlen. Mich konnte dieses Buch dann aber doch nicht so vom Hocker reißen. 

Worum geht es?

Seit fast 20 Jahren arbeitet Andreas Müller als Richter. Vor seiner Richterbank landen viele harte Fälle: S-Bahn-Überfälle, Gewaltausbrüche, sexueller Missbrauch. Auch drei Jahre nach dem Tod von Kirsten Heisig, einer engen Weggefährtin Müllers, kann Müller keine Besserung der Zustände erkennen: Im Bereich des Jugendstrafrechts soll eingespart werden, das Neuköllner Modell gerät in Vergessenheit, gleichzeitig werden die jungen Intensivtäter immer brutaler. Das kann Müller nicht hinnehmen - jetzt ist die Zeit für Veränderung.

Wie hat es mir gefallen?

Wo soll ich nur anfangen? Im Prinzip hätte es gereicht, wenn ich mir das Fazit dieses Buches durchgelesen hätte. Dieses beginnt bei 240 Seiten auf Seite 214, lautet "Was zu tun ist - Modernes Jugendrecht" und war meiner Meinung nach der aufschlussreichste Part. Vielleicht bin ich wieder einmal mit ganz falschen Erwartungen an ein Buch heran getreten, denn ich erhoffte mir ein ähnlich gesellschaftskritisches Buch wie Deutschland misshandelt seine Kinder. Ein Buch, das die Missstände tatsächlich aufzeigen kann. Kritik gibt es in Schluss mit der Sozialromantik! auf jeden Fall, allerdings in einer so polemisch-einseitigen Art und Weise... 

Andreas Müller weiß, wie er sich gekonnt in den Vordergrund des Buches lotsen kann. So beginnt er doch gleich mit seiner eigenen Biografie und dass sein Bruder beispielsweise ja auch ein ganz schlimmer Finger war. Doch Andreas Müller tritt nicht in dieselben Fußstapfen, nein, er wird Richter. Es folgen einige Seiten, in dem er aus seinem aktenlastigen Alltag und der nie ausreichenden Zeit erzählt, um all die Jugenddelikte ausreichend zu bearbeiten - der Leser muss ja auch erstmal sensibel und zugänglich gemacht werden. So weit, so gut. Wir nähern uns so langsam dem Buchtitel. Mit diesem Jugendstrafrecht stimmt etwas nicht. Der Staat rosarotet herum, man muss doch einfach mal härter durchgreifen und nicht immer wieder nach dem Motto "Noch eine Chance, und noch eine und noch eine..." verfahren. 

Nun, da mag durchaus etwas dran sein, aber was mich an der Übermittlung dieses Gedankens so sehr stört, ist eben die Omnipräsenz des Autors! Die eigentliche Message, nämlich dass der deutsche Rechtsstaat mal weniger Wattebällchen werfen sollte, rückt so dermaßen in den Hintergrund, weil sich der härteste Jugendrichter Deutschlands immer in den Vordergrund drängen muss - und dem ist er sich sogar selbst bewusst. Mit in den Vordergrund rücken meine ich, dass nach mehr oder weniger ausführlich besprochenen Fällen so Sätze fallen wie: Übrigens ist es vor allem meinem Zutun zu verdanken, dass sich der und der Mensch in diese und jene positive Richtung entwickelt hat oder aber Diese kleineren Veränderungen im System kann ich mir auf die Fahne schreiben. Sicherlich hat Andreas Müller viele Gründe, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen, muss man das aber so offensichtlich raushängen lassen? Ich als Leserin habe mich da so manches Mal schon fast provoziert gefühlt, als ich wieder auf solch eine oder eine inhaltlich ähnliche Textstelle gestolpert bin. 

Weiterhin hat es mich massiv gestört, dass Andreas Müller gegen all jene stänkert, die er als Sozialromantiker bezeichnet, er selbst aber bei seinen Rechtsfällen die größten Wolkenschäume produziert. Mit Sozialromantiker ist eben dieses Wattebausch-Prinzip gemeint: ein Jugendlicher stiehlt, verprügelt, wasauchimmer und kommt vor dem Jugendgericht nochmal mit einer Bewährungsstrafe und/oder ein paar Sozialstunden davon. Ich gehe prinzipiell voll mit, dass das mittlerweile keine abschreckenden Strafen mehr sind. Doch finde ich diesen Standpunkt gepaart mit den Rechtsfällen, die der Müller im Buch präsentiert, und die ausschließlich immer ein Happy End (natürlich nur wegen seines intensiven Einsatzes) beinhalten, schon beinahe nicht mehr glaubwürdig.

Andere stets und ständig anzuprangern und sich selbst kontrastiv so dermaßen in den Himmel zu loben macht einfach kein gutes Buchkonzept aus. Überdies fehlten mir auch einfach mal authentische Belege. Das Buch lebt von vielen Behauptungen und Darstellungen Müllers. Mit Fußnoten kommt der Autor aber erst ab Seite 150 um die Ecke, und dann folgen auch nur noch zwei solcher Belege. Da hätte man sich die hochgestellte 1, 2 und 3 auch schenken können. Ein Glossar oder Register existiert ebenfalls nicht. Wenn es sich hierbei ausschließlich um eine Biografie handeln würde, könnte ich das ja noch nach nachvollziehen, aber hier geht es um echte Fälle, um echte Berichterstattungen und um scheinbar echte Diskussionen in der Jugendrechtslandschaft. Da hätte ich es schon ganz nett gefunden, würde die Möglichkeit bestehen, sich zu dem Thema nochmal genauer zu erkundigen (Stichwort: Literaturverzeichnis). Achja, glatt vergessen: google.de macht schlau. Vielmehr wird eben die Arbeit der Kirsten Heisig beworben und auch die Quellen, die Müller dann auf drei Fußnoten präsentiert, scheinen bewusst einseitig ausgewählt zu sein.

Zu guter Letzt habe ich dann auch noch am Schreibstil zu meckern. Das Buch lebt vor allem durch die gute alte Wortwiederholung. Ich hätte mal Strichliste für das Wort Sozialromantiker führen sollen, so inflationär wurde es verwendet. Aber auch im Satzgefüge selbst war wenig Vielfalt zu entdecken. Von all den auf werden endenen Sätzen gen Schluss mal abgesehen. Das Buch kommt wahrscheinlich nicht so hochtrabend daher, damit es eben auch der letzte Blöd-Leser versteht. Fußnoten schrecken ja auch so manch Studenten ab. Blöd dir deine Meinung trifft es dann aber umso schlimmer, denn das Buch ist fast ausschließlich von Einseitigkeit und wenig differenzierter Auseinandersetzung geprägt. Und das ist gerade bei solch brisanten und auch höchst aktuellen Themen so schade, denn die eigentliche Message geht wirklich flöten. Vor allem aber habe ich das von jemandem, der ja ganz offensichtlich einen Namen im System hat, einfach nicht erwartet.

Leider bin ich in dieser Entpfehlung weniger auf den wirklichen Inhalt des Buches eingegangen, aber vermutlich setzt diese fehlende Information dem Ganzen noch den Hut auf: das Buch hat  wenig Inhaltliches zu bieten, was ich nun hätte für mich mitnehmen können. Selbst zwei von fünf Sternen sind wahrscheinlich noch zu gut gemeint. Das ist wohl auch meine sozialromantische Ader, die mich zu dieser noch guten Bewertung hat verleiten lassen ;-)

Lieblinks

Hier verlinke ich euch das Buch auch nochmal auf der Verlagsseite.  Mehr Informationen zu Andreas Müller findet ihr ganz klassisch hier auf Wikipedia. Nebst Schluss mit der Sozialromantik! wurde bei Herder außerdem noch Kiffen und Kriminalität veröffentlicht. Auf YouTube wurde ein Portrait des Richters hochgeladen (ursprünglich lief diese Doku auf dem Sender Phoenix), wer sich da mal ein anderes Bild machen möchte, klickt bitte hier.


Habt noch einen schönen Tag! Wir lesen uns hier am Dienstag wieder :-)



 

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Gemeinsam lesen #73: Post-Klassenfahrtsbuchpläne

Hallöchen ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 73. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 

Und nun zu den Fragen für diese Woche:
1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Jaja, meine Klassenfahrtspläne der letzten Woche waren echt ein Wunschdenken, deshalb bin ich heute nochmals mit denselben Büchern dabei, wie vergangene Woche: zum Einen Daniel, mein jüdischer Bruder von Marianna J. Voelk (S. 85) und zum Anderen Schluss mit der Sozialromantik von Andreas Müller (S. 103).

Darum geht's in Daniel, mein jüdischer Bruder:  
Starr vor Schrecken sieht Daniel, wie seine Eltern in ein Auto gezerrt und abtransportiert werden. Zitternd kauert er eine Weile hinter dem Schornstein, da sich noch Gestapo im Garten aufhält. Dann rennt er, so schnell er in der Dunkelheit kann, zum Wäldchen.

Als Daniels jüdische Eltern deportiert sind, besorgt ihm Rosalies Familie falsche Papiere und gibt ihn nach ihrem Umzug aufs Land als ihren leiblichen Sohn aus. Trotz der Angst davor, bei der Hitlerjugend entdeckt zu werden, verleben Rosalie und Daniel eine frohe Kindheit. Doch die ist bedroht, als Daniel eines Tages zum Arzt muss und sein Geheimnis entdeckt wird ...
Eine autobiografische Geschichte.  
(via Brunner
Darum geht es in Schluss mit der Sozialromantik
Seit fast 20 Jahren arbeitet Andreas Müller als Richter. Vor seiner Richterbank landen viele harte Fälle: S-Bahn-Überfälle, Gewaltausbrüche, sexueller Missbrauch. Auch drei Jahre nach dem Tod von Kirsten Heisig, einer engen Weggefährtin Müllers, kann Müller keine Besserung der Zustände erkennen: Im Bereich des Jugendstrafrechts soll eingespart werden, das Neuköllner Modell gerät in Vergessenheit, gleichzeitig werden die jungen Intensivtäter immer brutaler. Das kann Müller nicht hinnehmen - jetzt ist die Zeit für Veränderung. "Am liebsten wäre mir, ich schaffe mich selbst ab."
(via Herder)
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?


Daniel, mein jüdischer Bruder: An einem zugigen Novembertag begleiteten Mutter und ich Vater zum Bahnhof.

Schluss mit der Sozialromantik: Zu meinen Eigenarten gehört es, dass viele Fälle mit dem Urteil für mich längst nicht abgeschlossen sind.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Ich liebe es ja, wenn ich meine buchigen Vorhaben nicht umsetzen kann. Aber ich hätte es mir ja auch glatt denken können, dass meine Klassenfahrtsbuchpläne von letzter Woche nicht umzusetzen sind. So setzte ich also aufs Wochenende danach. Und man hatte mich ja vor dem Klassenfahrtsjetlag gewarnt, und der kam! Zusätzlich verfluche ich dann auch noch Netflix, denn da ist endlich die vierte Staffel von Orange Is The New Black angelaufen. Von dem her, könnt ihr euch ungefähr ein Bild davon machen, wie mein Wochenende so aussah, und dass es verdammt wenig mit Büchern zutun hatte. Aber ich erlaube mir mal den faulen Lenz, bin ich doch sonst immer das Orga-Mädchen schlechthin. Nichtsdestotrotz will ich mir mit dem Lesen in dieser Woche trotz vollem Terminkalender mehr Mühe geben. Mit Schluss mit der Sozialromantik tue ich mich dennoch ein wenig schwer, manche Absätze sind mir dann doch zu polemisch und plakativ formuliert. Mal schauen, wie mein Fazit zum Buch aussieht, momentan bin ich noch hin und her gerissen.

4. Magst du lieber realistische Namen für Protagonisten oder gefällt es dir besser, wenn es sehr untypische Namen sind?
In Fantasy-Romane haben die Buchfiguren ja teilweise echt abgefahrene Namen. Und sowas nervt mich leider, denn wenn ich die Namen nicht einmal aussprechen kann (Hörbuch ftw!), stolpere ich beim Lesen jedes Mal darüber und verhake mich sprachlich. Da sind mir realistische Namen dann doch viel lieber, vor allem weil es auch hier besonders schöne Exoten gibt, die man aber trotzdem noch aussprechen kann, ohne sich die Zunge zu verknoten. 

Wie schaut es bei euch aus? Spielen die Namen der Buchfiguren für euch eine primäre Rolle? Und überdies, was lest ihr gerade? Schreibt es mir in die Kommentare! 

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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Ein paar Worte zu...Milena Michiko Flašar - Ich nannte ihn Krawatte

Milena Michiko Flašar Ich nannte ihn Krawatte | Gegenwartsliteratur| Taschenbuch, 144 Seiten | Preis: 8,99€| TB erschienen am 10. rz 2014 | ISBN: 9783442746569
Hier bestellen: Thalia  eBook  *amazon


Einen wunderschönen Sonntag, ihr Lieben! 
Bereits im April bin ich durch die liebe Karo auf den ARD Lesekreis, organisiert durch Karla Paul, gestoßen und habe mich dann kurzerhand dazu entschlossen, für das Maibuch mit einzusteigen. Gevoted wurde für das Buch Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar. Ein relativ dünnes Büchlein, dass es aber sprachlich ganz schön in sich hat!

Worum geht es?

Wer in einem Lachen nichts anderes als ein Lachen hört, der ist taub.
Ist es Zufall oder eine Entscheidung? Auf einer Parkbank begegnen sich zwei Menschen. Der eine alt, der andere jung, zwei aus dem Rahmen Gefallene. Jeder auf seine Weise, beide radikal, verweigern sie sich der Norm. Erst einem fremden Gegenüber erzählen sie nach und nach ihr Leben und setzen zögernd wieder einen Fuß auf die Erde. (...) Dieser Roman stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe entgegen – sowie die archaische Kraft der Verweigerung.

Wie hat es mir gefallen?

Mit Japan habe ich eigentlich nicht viel am Hut und wäre der Lesekreis nicht gewesen, hätte ich auch nicht zu diesem Buch gegriffen, so unscheinbar, wie es äußerlich wirkt. Aber wie die liebe Vanessa von PalomaPixel schon schrieb, ist der Japan-Aspekt eher sekundär angelegt. Und das Buch birgt so viel mehr in sich, als es den Anschein macht! Während Vanessa besonders schön formulierte Textstellen fröhlich angemarkert hat, ist meine Ausgabe des Buches ein einziges Eselsohr (ich höre schon den Aufschrei). Aber ich konnte einfach nicht an mich halten, so schön war das Geschriebene zweier Menschen, die sich aus dem Gewebe der Gesellschaft (der Norm) versuchen zu lösen. 
Jemandem zu begegnen bedeutet, sich zu verwickeln. Es wird ein unsichtbarer Faden geknüpft. Von Mensch zu Mensch. Lauter Fäden. Kreuz und quer. Jemandem zu begegnen bedeutet, Teil seines Gewebes zu werden, und dies galt es zu vermeiden. (S. 8f) 
Der eine junge Mensch, Taguchi, gibt sich dem Hikikomoro hin. Eine Form der freiwilligen Isolation, um sich dem Druck der Gesellschaft zu entziehen. Wahrscheinlich ist das Krankheitsbild des Hikikomoro unserem der Depression oder des Burnout recht ähnlich. Man schafft es nicht mehr, den Erwartungen zu genügen und zieht sich zurück, kapselt sich ab, sucht einen Weg aus dem Hamsterrad. Welche Beweggründe Taguchi für die Isolation hat, erfahren wir Leser erst nach und nach. Das Buch setzt da an, als Taguchi nach zwei Jahren des Alleineseins das erste Mal wieder einen Fuß auf die Straße setzt und in den Park geht. Um dort auf den älteren Herren Ohara zu treffen. 
Miteinander zu sprechen wäre zu diesem Zeitpunkt noch eine Übertretung gewesen. Das war eine Grenze, der Kriesweg. Hier meine, dort seine Bank. Dazwischen Grashalme, ein rollender Ball, ein Kind, das hinterherpurzelte. (S. 23)  
Ohara war einmal ein erfolgreicher Geschäftsmann. Dann verlor er seinen Job, aufgrund seines zunehmenden Alters und der damit einhergehenden Leistungsabnahme. Er konnte es nicht übers Herz bringen, seiner Frau davon zu erzählen. Und so verlässt er weiterhin jeden Morgen das Haus, um zum eigentlichen Arbeitsbeginn um 9Uhr auf der Parkbank zu sitzen und die Zeit abzuwarten. Er verzehrt das von seiner Frau gemachte Bento und geht um die Feierabendszeit nach Hause. Er spielt absichtlich Theater um den Schein zu wahren. Bis er eben auf Taguchi trifft und sie sich beide gleichermaßen einander öffnen und sich eingestehen, dass es okay ist, nicht der Norm zu entsprechen und einfach mal auszusteigen. 
Wie die Bitterkeit beschreiben? Ich war ein Glas, ein zerbrochenes, und der Raum, den ich einst umfasst hatte, war nun eins mit dem Raum rundherum. Öde Weite, in der ich mich verlief, unter den Füßen scharfe Messer. Mit jedem Schritt wurde es unwahrscheinlicher, irgendwann einmal irgendwo anzukommen. (S. 76) 
Milena Michiko Flašar schreibt vor allem so: bildhaft und wortgewaltig. Jedes geschriebene Wort ist vollkommen berechtigt in seinem Dasein und ich fühlte mich beinahe so, als würde ich selbst auf einer dieser Parkbänke sitzen und diesen zwei Männern zuhören. Besonders gefallen hat mir, dass ich für mich dann doch sehr viel Japanisches mitnehmen konnte. So war mir beispielsweise nicht bekannt, dass dort eben das Hikikomoro existiert, und diese Krankheitsform von der Gesellschaft ebenso wenig akzeptiert wird, wie es bei uns mit Burnout und Depressionen der Fall ist. Was ich mir schon fast denken konnte, war auch das gezeichnete Bild der japanischen Leistungsgesellschaft. Erschreckend, dass sich die ganze Welt scheinbar in diese Richtung des LeistenLeistenLeisten bewegt. Aber es wird sich nicht nur auf Leistung oder eben auf das skizzierte Krankheitsbild beschränkt, sondern auf viele andere japanische Eigenarten, die in einem zusätzlichen Wortregister erklärt werden. 

Lediglich der Erzählbruch gen Mitte des Buches hat mich aus der Geschichte rausgehauen. Hier beginnt Taguchi aus seiner Schulzeit zu berichten. Vielleicht wäre es hier meine Aufgabe gewesen, genauer zu lesen und genau nachzuvollziehen, weshalb gerade hier ein Bruch erfolgte. Somit kämpfte ich dann einige Seiten lang, wieder in die Geschichte reinzukommen, was dann auch auf den letzten Kapiteln glückte.

Gottseidank, denn auf den letzten Seiten des Buches wird es nochmal besonders aufwühlend und traurig zugleich. Aber es wird niemals so traurig, dass ich mich beim Beenden der Geschichte hilflos gefühlt hätte. Vielmehr steht man mit Taguchi vor einem Neuanfang, der positives hoffen lässt! Und warum das Buch eigentlich Ich nannte ihn Krawatte heißt, müsst ihr nun selbst herausfinden, in dem ihr dieses Buch lest :-) Ich habe dieser wortgewaltigen Geschichte von Milena Michiko Flašar jedenfalls 4 von 5 Sternen gegeben.

Lieblinks

Hier verlinke ich euch das Buch auch nochmal auf der VerlagsseiteDie offizielle Webpräsenz der Autorin findet ihr hier. Nebst Ich nannte ihn Krawatte hat Milena Michiko Flašar außerdem Okaasan - Meine unbekannte Mutter und [Ich bin] verfasst, zwei Bücher, die ich mir definitiv auch nochmal näher anschauen werde. 


Habt einen guten Start in die neue Woche! Wir lesen uns hier am Dienstag wieder :-)



 

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Ein paar Worte zu... Dave Eggers - Der Circle



Dave Eggers Der Circle| Dystopie| Taschenbuch, 560 Seiten | Preis: 10,99€| TB erschienen am 18. Oktober 2015 | ISBN: 9783462048544
Hier bestellen: Thalia  eBook  *amazon


Einen wunderschönen guten Tag, ihr Lieben! 
Im Mai durfte bei mir endlich ein Buch einziehen, um das ich schon eine ganze Weile herumwusel. Allerdings wäge ich beim Buchkauf gerade häufig ab, ob ich ein Buch nun wirklich unbedingt brauche und es definitiv in den nächsten Tagen lesen werde, oder ob es doch nur wieder zur SuB-Leiche mutiert. Ber Der Circle stand fest: Nein, das werde ich sofort beginnen und so war es auch!

Worum geht es?

Huxleys Schöne neue Welt reloaded: Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …

Wie hat es mir gefallen?

Ich wollte zu Beginn des Lesens definitiv, dass dieses Buch irgendwas mit mir macht. Dementsprechend hoch waren also meine Erwartungen und ich muss sagen, dass Dave Eggers sie definitiv erfüllt hat. In den vergangenen Wochen hatte ich immer wieder mal Gespräche, in denen es um das Einspeisen von Daten im Netz geht. Es ging darum, dass man beispielsweise bei der Krankenkasse online bestimmte Dokumente direkt online beziehen kann. Um dieses Angebot zu nutzen, musste man sich anmelden, natürlich mit einer Emailadresse und einem guten Passwort. Jaja, dieses Passwort, wie oft haben wir es schon vergessen? Wäre es nicht viel sinnvoller nur ein Benutzernamen und ein Passwort für alles zu haben? Online Banking, Krankenversicherungsgeschichten, dienstliche Emails, ADAC, Online Shopping und Social Networking unter einem Dach? Hier knüpft Der Circle an, denn Ty Gospodinov entwickelt in dieser fiktionalen Welt das Tool TruYou
(...) ein Konto, eine Identität, ein Passwort, ein Zahlungssystem, eine Person. Schluss mit merhfachen Passwörtern, Schluss mit mehrfachen Identitäten. Deine Geräte wussten, wer du warst, und deine einzige Identität - das TruYou, nicht verbiegbar und nicht maskierbar - war die Person, die bezahlte, sich registrierte, reagierte, viewte und reviewte, sah und gesehen wurde.(...) S. 30
Das klingt in der Tat ja erstmal verlockend, und das Tool kommt tatsächlich richtig groß raus! Der Circle ist sogesehen ein Konzern, ähnlich mächtig wie Google oder Facebook und er wird immer größer und populärer, kauft nach und nach andere Konzerne auf und entwickelt sich letztlich zu dem größten Sozialen Netzwerk jener Zeit. Mae Holland bewirbt sich bei diesem Konzern und bekommt auch glatt einen Job als Administratorin. Sie geht in ihrer Sache voll auf und hängt sich richtig rein, ganz zum Wohlwollen des Circles. 
Als Leserin selbst, habe ich mich eher wie ein allwissender Leser gefühlt, denn ich wusste ja schon, dass es beim Circle nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Trotzdem konnte ich Mae's Begeisterung, wenn sie auch mit sehr viel Naivität gepaart war, absolut nachvollziehen. Aber dann haut Dave Eggers nach und nach Circle-Ideen raus, die mein mulmiges Gefühl immer stärker werden ließen. Das fängt mit simplen Kameras an, die überall auf der Welt aufgestellt werden, eine Rundum-Überwachung kontinentalgefächert quasi und für jeden zugänglich, der die Circle-Tools nutzt. Natürlich wird stark argumentiert, dass es dem Staat eine Hilfe sein könnte, die Kriminalitätsrate optimal zu senken, aber auch der Otto Normalverbraucher kann seinen Nutzen daraus ziehen, wenn er einfach mal einen Blick nach Bali werfen und sich das Urlaubsfeeling live nach Hause holen möchte. Google machte mit GoogleEarth die 3D-Map-Betrachtung populär, ist SeeChange (so wird es im Buch genannt) the next big level? 
Der Circle wird wohl vor allem deshalb als Schöne neue Welt 2.0 tituliert, weil diese Welt, die dort geschaffen wird, gar nicht so weit weg von unserer jetzigen ist. Das digitale Zeitalter entwickelt sich fast schon furchteinflößend rasant, so auch im Buch selbst. Welche Rolle Mae dabei spielt? Durch ihre Augen sieht der Leser wortwörtlich, denn Mae macht da eine Gehirnwäsche mit, die jenseits von Gut und Böse ist. Sie sieht zwar alles und lässt jeden durch sich sehen, aber was wirklich wichtig ist, das sieht sie nicht. Partizipation und Transparenz sind die nächsten Stichworte, denn die werden im Circle richtig groß geschrieben, mit allen Mitteln. 
Die Worte tauchten auf dem Bildschirm auf: ALLES, WAS PASSIERT, MUSS BEKANNT SEIN. "Leute, wir stehen am Beginn einer zweiten Aufklärung. Und ich spreche hier nicht von einem neuen Gebäude auf dem Campus. Ich spreche von einer Epoche, in der wir nicht mehr zulassen, dass der Großteil dessen, was Menschen denken und tun und erreichen und lernen, verschwindet wie Wasser aus löchrigen Eimern. Wir haben das schon einmal zugelassen.(...)" S. 82
Ich habe Mae dabei begleitet, wie sie sich vollkommen im Circle verliert und ich wollte sie so oft schütteln und rütteln und sie fragen: "Mädel, siehst du nicht, in was für eine Katastrophe du rennst?!" Vielleicht wollte Eggers genau dies, denn ich habe mich unweigerlich selbst gefragt, wie leichtsinnig ich mit manchen Daten meinerseits umgehe. Und wie beängstigend ich es finde, dass es im Netz Algorithmen gibt, die mir Werbung in meine Facebook Timeline speisen, die auf meine Interessen und Klicks beruht?

Gleichzeitig spricht der Roman ein Problem an, welches beispielsweise auch der Fotograf Eric Pickersgill in einer Bilderreihe versucht hat, deutlich zu machen: Menschen, die auf Hände starren. Soziales findet immer krasser online statt. Instagram, Snapchat, Whatsapp, Facebook Messenger. Und wenn du mal nicht da bist oder gar ein Snapchat-Verweigerer, sind verwunderte Blicke vorprogrammiert. Selbst meine Schüler haben mich mal gefragt, warum ich kein Snapchat habe und dass das doch der heißeste Shit überhaupt sei! Ganz klar: wenn du wissen willst, was bei deinen Freunden los ist, erfährst du es mit Sicherheit aus "erster Hand" auf den genannten Social Networks. Vorbei sind scheinbar die Zeiten des Briefe schreibens oder des simplen Anrufs auf's Haustelefon (gibt es eigentlich noch Leute, die einen Festnetzanschluss haben?). Geburtstaggrüße gibt es scheinbar nur noch als Copy-Paste-Mitteilung und du bist sowieso nur hip, wenn du mindestens 50 Likes auf dein Bild bekommst, und nicht vergessen: die Besten werden markiert ;-) 

Keine Frage, meine Darstellung hier ist rein plakativ und ich selbst bin ja nun wirklich keine Mutter Theresa auf diesem Gebiet, problematisch finde ich diese Entwicklung trotzdem (auch meine eigene) und Dave Eggers haut in Der Circle noch einen drauf und gestaltet die Partizipation online als einzigen Lebensinhalt der fiktiven Gesellschaft. Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß, so lautet das altbekannte Sprichwort, doch in Der Circle macht es die Leute beinahe wahnsinnig, wenn sie nicht wissen! Richtig gut fand ich vor allem, wie Eggers Mae's Weg in den absoluten Social Network-Burnout beschreibt. Wenn ich am Abend mein Smartphone anschalte, fühle ich mich manchmal recht ähnlich, wenn erstmal zig Nachrichten aufploppen. Eine Überflutung an Informationen, die am besten schon gestern sofort hätten beantwortet werden müssen und wenn ich mir vorstelle, dass dies in zehn Jahren vielleicht noch drei Mal so lebensbestimmend ist?

Insgesamt war Der Circle auf jeden Fall ein echter Pageturner mit kleinen Längen. Das Finale befand sich auf dem Gipfel (wortwörtlich) der Dramatik, hat aber im Nachhinein dann doch sehr gut gepasst. Das Ende hingegen verläuft vollkommen offen! Das wird nicht jedem schmecken, vor allem nicht jenen, die auf einen guten Ausgang der Geschichte hoffen. Denn mein Kopf spinnte die Geschichte in jedem Fall weiter! Als leichte Kost würde ich die Geschichte auch nicht bezeichnen, ein Buch für Zwischendurch ist es in keinem Fall. Man sollte schon mit offenen Augen lesen, das fordert auch die gewählte Sprache und der Satzbau ein. Bekehren möchte das Buch ebenfalls nicht, sonst hätte ich bestimmt schon meine gesamte Internetpräsenz gelöscht, aber es regt definitiv zum Nachdenken an, und wenn es auch nur kurzweilig ist. 
Und das macht Der Circle von Dave Eggers dann so wertvoll, wenn man wenigstens kurz einmal hinterfragt, ob das alles so richtig ist, was wir tun! Von daher spreche ich eine ganze klare Leseempfehlung für dieses Buch aus, ich selbst habe es auch mit fünf von fünf Sternen bewertet. Wer Brave New World oder 1984 mochte, wird auch Der Circle als gut empfinden.

Lieblinks

Hier verlinke ich euch das Buch auch nochmal auf der Verlagsseite.  Dave Eggers hat lediglich eine untergordnete Webpräsenz auf der Plattform seines Stammverlags McSweeneys, trotzdem verlinke ich euch diese hier. Außerdem hat Eggers natürlich noch eine deutsche Webpräsenz bei Kiepenheuer&Witsch. Schaut auch da gerne mal rum.


Habt einen wunderbaren Tag und einen guten Start ins Wochenende! Wir lesen uns hier am Sonntag wieder :-)



 

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Gemeinsam lesen #72: Marianne J. Voelk - Daniel, mein jüdischer Bruder / Andreas Müller - Schluss mit der Sozialromantik

Hallöchen ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 72. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 

Und nun zu den Fragen für diese Woche:
1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich bin auf der Klassenfahrt richtig mutig, und versuche gleich zwei Bücher zu lesen: zum Einen Daniel, mein jüdischer Bruder von Marianna J. Voelk (S. 9) und zum Anderen Schluss mit der Sozialromantik von Andreas Müller (S. 33).

Darum geht's in Daniel, mein jüdischer Bruder:  
Starr vor Schrecken sieht Daniel, wie seine Eltern in ein Auto gezerrt und abtransportiert werden. Zitternd kauert er eine Weile hinter dem Schornstein, da sich noch Gestapo im Garten aufhält. Dann rennt er, so schnell er in der Dunkelheit kann, zum Wäldchen.

Als Daniels jüdische Eltern deportiert sind, besorgt ihm Rosalies Familie falsche Papiere und gibt ihn nach ihrem Umzug aufs Land als ihren leiblichen Sohn aus. Trotz der Angst davor, bei der Hitlerjugend entdeckt zu werden, verleben Rosalie und Daniel eine frohe Kindheit. Doch die ist bedroht, als Daniel eines Tages zum Arzt muss und sein Geheimnis entdeckt wird ...
Eine autobiografische Geschichte.  
(via Brunner
Darum geht es in Schluss mit der Sozialromantik
Seit fast 20 Jahren arbeitet Andreas Müller als Richter. Vor seiner Richterbank landen viele harte Fälle: S-Bahn-Überfälle, Gewaltausbrüche, sexueller Missbrauch. Auch drei Jahre nach dem Tod von Kirsten Heisig, einer engen Weggefährtin Müllers, kann Müller keine Besserung der Zustände erkennen: Im Bereich des Jugendstrafrechts soll eingespart werden, das Neuköllner Modell gerät in Vergessenheit, gleichzeitig werden die jungen Intensivtäter immer brutaler. Das kann Müller nicht hinnehmen - jetzt ist die Zeit für Veränderung. "Am liebsten wäre mir, ich schaffe mich selbst ab."
(via Herder)
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?


Daniel, mein jüdischer Bruder: "Mein Gott, hat das Kind große Ohren und Füße", entschlüpfte es der Hebammr, als sie mich nach der Geburt an den Füßen hochhielt, um mir den obligatorischen Klaps auf den Po zu geben. 

Schluss mit der Sozialromantik: "Fünf Tage nach der Urteilsverkündung im Dolgenbrodt-Verfahren wurde ich zum Amtsgericht Strausberg verordnet." 

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Daniel, mein jüdischer Bruder wurde mir vom Verlag freundlicherweise als Leseexemplar zur Verfügung gestellt. Ich bin sehr gespannt auf die Geschichte. 

Schluss mit der Sozialromantik hingegen ist ein Buchtipp von einer Kollegin und beschäftigt sich mit dem Jugendstrafrecht. Ich bin sehr gespannt, was mich erwartet, denke aber, dass es bestimmt in dieselbe Richtung gehen wird wie Deutschland misshandelt seine Kinder (übrigens eine Empfehlung meinerseits an euch!)

4. In welcher Sprache liest du am liebsten Bücher? Deutsch, Englisch oder in einer anderen?
Am liebsten würde ich ja viel mehr in Englisch lesen oder mal wieder Spanisch, um meine Sprachkenntnisse aufzufrischen, aber ich brauche einfach viel zu lange, wenn ich in der Originalsprache lese. Da siegt dann häufig die Faulheit und ich greife doch zur deutschen Übersetzung. Schade eigentlich!

Wie schaut es bei euch aus? In welcher Sprache lest ihr eure Bücher am liebsten? Und überdies, was lest ihr gerade? Schreibt es mir in die Kommentare!

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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