Ein paar Worte zu... Stephen King - Omi (Stephen King Story Selection No. 19)

Stephen King "Omi", Story Selection No. 19 | Horror | eBook, 77 Seiten | Heyne
 Preis: 0.99€ | erschienen am 2. Mai 2016 | ASIN: B017W2RISK | Hier bestellen: Thalia eBook *amazon


Worum geht es? 

Der 11-jährige George soll, während seine Mutter seinen großen Bruder im Krankenhaus besucht, auf seine blinde Großmutter aufpassen. Ihm ist nicht ganz wohl bei der Sache, hat ihm die stark übergewichtige Frau doch schon früher Angst gemacht. So richtig unwohl wird ihm aber erst, als seine Omi plötzlich stirbt ...

Wie hat es mir gefallen?

Ich habe schon EWIG und drei Tage keinen King mehr gelesen. Mit 15 war Stephen King für mich der Inbegriff des genialen Horror-Autors und ich habe viele ältere Werke von ihm aus der Stadtbibliothek ausgeliehen und verschlungen. Insbesondere das Buch Sie oder Das Mädchen haben mich stark beeindruckt, wenn auch, weil es sehr brutal zuging. Irgendwann griff ich dann zu einer neueren Geschichte, aber mit Puls war es dann schlagartig vorbei mit der Stephen King-Phase. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das genau lag, aber die Luft war definitiv raus. Mir hat eben dieser Oldschool-Gedanke gefallen, das Feeling der spookigen 80er & 90er Jahre. 

Daher finde ich es nun umso genialer, dass der Heyne-Verlag seit Beginn diesen Jahres den Montag zum KINGtag auserkoren hat und die besten Shortstories des Autors neu auflegt und als eBook veröffentlicht - jeden Montag! 

In Kalenderwoche 19 wurde die Shortstory Omi aus dem Jahre 1984 herausgegeben und ich bin die Geschichte mit gemischten Gefühlen angegangen. Einerseits ist Sebastian Fitzek mit seinen fiktionalen Augensammlern ja wirklich nicht Ohne und ich fühle mich dennoch gut unterhalten. Andererseits halte ich mich auch nicht mehr für ganz so hart gesotten wie vielleicht noch mit 15. Dazu kommt, dass ich eigentlich schon das absolute Oma-Kind bin. Ihr kennt sie, diese Omas die einem keinen Wunsch abschlagen, bei denen man so viel Schokolade essen darf, bis einem schlecht wird, die den besten Streuselkuchen backen und die sich nie irren. Jaja, diese Omis lieben wir. Nur wie schaut es mit der Omi aus der gleichnamigen King-Geschichte aus? 
Omi machte Lärm, wenn sie ihre "schlimmen Anfälle" hatte, aber die meiste Zeit lag sie einfach in dem Bett, in das sie sich vor drei Jahren gelegt hatte, eine fette Schnecke, die Gummihosen und Windeln unter ihrem Flanellnachthemd trug, deren Gesicht von Falten durchfurcht und deren Augen leer und blind waren - verblasste blaue Iris, die auf gelblicher Hornhaut schwammen. (S. 10 & 11)
George hat mit seinen 11 Jahren schon eine sehr drastische Wahrnehmung seiner Oma, die vor allem durch frühere gruselige Erinnerungen geprägt ist. Eine Großmutter, die krähenartig nach dir ruft und nur zugern ihre langen und vergilbten Fingernägeln in deine Schultern rammen möchte, um dich an ihre wulstige Brust zu pressen. Ich muss schon sagen, dass hat der King gut hinbekommen, alle unangenehmen Eigenschaften in so kurzen Sätzen wie nur möglich unterzubringen. Und dann auch noch aus der Sicht eines Jungen, der ohnehin schon das Nesthäkchen in dieser höchst eigenartigen Familie darstellt und immer wieder im Schatten seines großen Bruders Buddy steht. 
Buddys Stimme in seinem Kopf:"Wenn du keine Angst gehabt hast, warum hast du dich dann nicht getraut, ihr Gesicht zuzudecken? (...) Angsthase! (...) FEIGER ANGSTHASE!" (S. 29)
An seiner Stelle wäre ich wirklich nicht gern und vor allem wäre ich wirklich nicht gern mit dieser Frau im selben Haus gewesen! Nochmal zum 80er & 90er Jahre-Feeling: wenn man dann auch noch weiß, dass George in einer Zeit aufwächst, in der es Smartphones, Flatscreens und Internet nicht gibt und er sich nur mit einem drahtigen Telefon zufrieden geben muss, womöglich noch mit Hörmuschel und einer schlechten Verbindung, da das Haus den amerikanischen Farmer-Stil entspricht... Gut schlafen kann ich da persönlich nicht mehr.
 
Dabei passiert ja eigentlich gar nicht viel in dem Buch. George sitzt am Tisch und wartet im Prinzip eigentlich nur darauf, dass seine Mom bitte bald mal wieder kommt, da  Omi sich ja regen könnte. Omi regt sich dann auch, keine Frage. Aber der Weg dorthin is eigentlich der schlimmste, da Stephen King mit nur wenigen Worten und ein paar kleinen Floskeln das größte Horror-Kino in deinem Kopf spinnen kann. So habe ich mir tatsächlich über 30 eBook Seiten beinahe ins Hemd gemacht, weil meine Erwartungshaltung so angespannt war. Ich konnte das eBook auch nicht an einem Stück lesen, im Dunkeln schon gar nicht.

Und dann kommt endlich das Finale und ich stellte fest, dass meine Erwartungshaltung sehr viel höher ist und das eigentliche Ende wie ein bisschen Rauch  in sich verdampft. Fast kam ich mir ein wenig veräppelt vor. Das sollte es nun gewesen sein? Andererseits: Wie kann ich bei King erwarten, dass alles in einem gigantischen Gemätzel inklusive Blutbad endet? Ich müsste es ja eigentlich besser wissen. Der King geht da subtiler vor. 

Wenn ich auch Omi von Stephen King erstmal "nur" mit drei Sternen bewertet habe, hat mich diese Short Story immerhin wieder auf einen Autor aufmerksam gemacht, den ich vor Jahren richtig gerne gelesen habe! Außerdem hat es mich gelehrt, dass "Mindfuck" oftmals sehr viel besser sein kann, als stumpfes Abschlachten. Von daher könnt ihr mir gerne eure King-Empfehlungen in die Kommentare schreiben :-) 

Lieblinks

Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagsseite. Alle 52 Short Stories sind hier aufgelistet! Hier geht es zur offiziellen Website des Autors und hier verlinke ich euch mal die deutsche Fanpage. Auf Twitter lässt dich der Autor übrigens leidenschaftlich über The 100 aus, von daher könnt ihr ihm auch dort folgen



Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! 

Kommentare

  1. Ich bin auch ein wenig um das Buch herumgeschlichen und irgendwie kommt es mir unmoralisch vor, ein solches Buch zu lesen, in dem ein Kind so abschätzig und ängstlich von seiner Omi erzählt, da ich - genau wie du - eine tolle Oma habe, die ich über alles liebe. War das für dich beim Lesen nie ein Problem?

    Ganz gerne würde ich dich übrigens zu meinem nächste gemütlichen Lese-Miteinander am Mittwoch einladen und mich mit dir in einer kleinen Runde über Bücher austauschen: http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2016/05/ankundigung-20-gemutliches-lese.html

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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    1. Hallöchen meine Liebe :)

      Komischerweise kann ich den moralischen Part doch ziemlich gut ausblenden, sonst könnte ich solcherlei Bücher wahrscheinlich niemals lesen. Vielleicht auch weil ich weiß, dass ich solch eine Oma nie hatte und diese eher seltener vorkommen :D (so hoffe ich zumindest!).

      Viele liebe Grüße an dich,
      Patrizia :)

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