Ein paar Worte zu... Florian Herb - Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg & Mini-Autoreninterview

Einen wunderschönen guten Tag ihr Lieben!
Heute soll es mal wieder ein paar Worte geben, diesmal zum neuen Buch Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg von Florian Herb. Es ergab sich, dass Florian Herb mich bereits im Juni fragte, ob ich nicht Lust hätte, sein neues Buch zu lesen, sobald es denn erscheint. Das Cover war Liebe auf den ersten Blick und als ich dann noch im Klappentext erlas, dass es sich hierbei um einen Roadtrip gen Spanien handelt, war ich sofort begeistert. Ich LIEBE Spanien - wer der spanischen Sprache ein wenig mächtig ist, oder gut in andere Sprachen ableiten kann, dem ist das vielleicht schon anhand meines Blognamens aufgefallen. Denn maraavilloso/-a ist das spanische Adjektiv für wunderbar. Aber lassen wir die Spanisch-Lektion, was ich persönlich noch viel erwähnenswerter finde, ist die Tatsache, dass Florian Herb sich überdies bereiterklärt hat, mir einige Fragen zu beantworten, diese könnt ihr dann weiter unten nachlesen. Nochmals vielen lieben Dank, lieber Florian Herb, sowohl für das Rezensionsexemplar, als auch für das Beantworten der Fragen, trotz zeitlichem Engpass!
Die Sechzigjährige, die die Haustür hinter sich abschloss, ins Taxi stieg und in Granada die Liebe suchte...
Eigentlich sieht die ältere Dame ganz normal aus, die morgens in Alvaros Taxi steigt. Auch dass sie sich erst zum Hauptbahnhof und dann doch zum Flughafen fahren lässt, macht ihn nicht stutzig. Aber warum lässt sie ihren geblümten Rollkoffer nicht los? Bevor Alvaro sich versieht, ist er mit Klara Lüdtke und einer Million in bar auf dem Weg von Berlin nach Andalusien — verfolgt von Klaras Verwandtschaft und von Alvaros Chef, der sein Taxi zurück will ...

Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg ist für mich ein Sommerbuch mit Vielsinn dahinter! Nie hätte der Taxifahrer Alvaro gedacht, dass er sich von nun auf gleich auf einem Roadtrip nach Spanien begeben würde, als die ältere Dame Klara Lüdtke in sein Taxi stieg. Denn Lotto-Klara, so wie es der Name schon vermuten lässt, hat eine beträchtliche Geldsumme im Lotto gewonnen, doch im Hause Lüdtke drehen derweil die Uhren ein wenig anders. Anstatt gemeinsam Pläne zu schmieden, oder zunächst einmal der Hauptgewinnerin, nämlich Klara selbst, zu gratulieren und sie nach ihren Wünschen zu fragen, träumen sowohl Kinder als auch Herr Lüdtke bereits davon, was sie all Schönes mit Klara's Gewinn anstellen könnten. Höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen! Klara packt ihre sieben Sachen, stopft das Geld in eine Zuckerdose und winkt sich das nächstbeste Taxi heran - Alvaro's Taxi. 
"[...]Kurz bevor ich in Berlin das Gaspedal durchgetreten habe, haben Sie gesagt, dass, wenn Sie jetzt nicht fahren würden, alles so bliebe, wie es schon immer war, und dass dies das Schrecklichste wäre, was Ihnen passieren könnte. Wie haben Sie das gemeint?" (...) "Ich bin immer der Überzeugung gewesen, dass es etwas im Hintergrund gibt, das die Fäden in der Hand hält und den Menschen durch das Leben führt. Zu dem Mann bringt, den man lieben wird, einem die Kinder schenkt, die man sich erhofft hat, und einem das Leben eröffnet, das man immer führen wollte. Aber in den letzten Jahren hat mich das Gefühl beschlichen, dass dieser Faden, an dem ich hing, sich verheddert hatte und dann, fast unmerklich, gänzlich gerissen war. Stattdessen wurde alles vorhersehbar.[...]" (eBook-Seite 37)
©mr-kartographie
Auch wenn Klara selbst zunächst noch nicht ganz genau weiß, wohin es eigentlich für sie gehen soll, nimmt sie trotz allem doch endlich die Fäden für ihr eigenes Leben in die Hand und erfüllt sich nun all die Wünsche, die sie jahrelang zurückstecken musste. Und so machen sich Alvaro und Klara zunächst auf nach Frankreich, um all die kleinen Dinge zutun, die glücklich machen, zum Beispiel in einem stilechten pariser Bistro café au lait zu genießen. Florian Herb beschreibt all dies sehr detailliert. Straßen, Cafés, Menschen ... als Leser(in) könnte man glatt meinen, sich direkt vor Ort zu befinden als wäre man selbst mittendrinn im Geschehen. Fernweh wurde also an so einigen Textstellen geweckt. Das hat mir persönlich wirklich sehr gut gefallen, denn mir kamen all diese Details und Beschreibungen nie auch nur annähernd erschwerend vor. Es hat genau gepasst! Ebenso passend wie auch schön, waren die Unterhaltungen zwischen Alvaro und Klara selbst, denn beide Figuren haben einen so reichen Erfahrungshintergrund, sei es durch ihr Alter (Klara) oder weil man seine Heimat aufgibt, um sein Glück in der Fremde zu suchen (Alvaro). Genau diesen Erfahrungsreichtum tauschen beide Figuren nur zu gern untereinander aus - ein großes Glück für die Leserschaft, da es an vielen Stellen sehr wunderbarschön sinngebende Zitate, wie zum Beispiel das oben angeführte, gibt. 

Aber natürlich muss nicht nur Klara die Fäden für ihr Glück selbst weben, auch Alvaro hängt ein wenig in der Luft. Immer häufiger driften die Gedanken in Richtung spanische Heimat, an all das, was er eigentlich verlassen und dagelassen hat. Natürlich hat Klara, weil sie nunmal sehr empathisch ist, auch für diese Problematik den 7. Sinn und so bleibt Frankreich nicht das einzige, primäre Ziel. Mit einem kurzen Zwischenhalt in Barcelona fahren sie weiter südlich bis nach Granada in Andalusien.
Das innere Auge bekommt also südeuropäische Sehenswürdigkeiten und Kultur satt, sowie auch noch die ein oder andere "Das habe ich vom Leben gelernt"-Anekdote. 
Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass das Ende ein wenig vorhersehbar war und schon fast zu happy ending daher kam. Diese Art von Happy End hätte die Geschichte eigentlich gar nicht nötig gehabt, für Romantiker ist es hingegen die Marzipankirsche auf dem Berg Sahne. Ansonsten beinhaltet Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg vor allem auch sehr viel Situationskomik, die teilweise sehr skurril, aber auch durchaus realistisch ist und mich persönlich sehr häufig zum Schmunzeln gebracht hat. Vor allem Alvaro's Chef Cemal und seine Mitbewohnerin Kerstin/Karsten könnten nicht unterschiedlicher sowie tollpatschiger sein. 

Wer noch ein schönes, sinngebendes Buch für die Ferien sucht, wird bei Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg von Florian Herb definitiv einen Treffer landen. Dafür müsst ihr nichtmal zwangsläufig am spanischen Strand liegen oder gerade den Eiffelturm bestaunen (wobei das natürlich das nonplusultra wäre!) - das innere Auge bekommt hier neben schönen Lebenszitaten auch durchaus etwas zu sehen, etwas für's Herz ist es allemal - auch im Winter! Das Buch wärmt so schön von innen :-) 4.5 Sterne von 5 Sternen dafür! 

Und nun wird dem Autor noch etwas auf den Zahn gefühlt...

©Ullstein Buchverlage/Florian Herb
Lieber Florian, sowohl in Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg als auch in deinem Buch Liselotte, Fräulein Nowak und der Grieche spielt Multikultur scheinbar (letzteres habe ich noch nicht gelesen, steht aber auf meiner To-Do-Liste) eine größere Rolle. Woher rührt gerade dein Interesse für die europäischen Südländer? Was findest du an Frankreich, Spanien oder auch Griechenland so besonders? Was fasziniert dich am Multi-Kulti-Berlin?
Es geht in erster Linie nicht um Multikultur, sondern um Lebensträume und Lebensbedürfnisse, die von den Protagonisten gestillt werden möchten. Und am Besten sind diese durch Menschen zu transportieren, die sogar ihre Heimat dafür verlassen haben, um in der Fremde ihr Glück zu suchen und zu versuchen. Und ich liebe Europa, fühle mich als Europäer und fühle mich der Region sehr verbunden. Ferner ist es eine Schande, dass die europäische Idee zu einer wirtschaftlichen Addition verkommen ist und ich in meinen Büchern versuche den Menschen wieder in den Vordergrund zu heben.

In Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg spielt ja vor allem die Suche nach dem Glück, das ja oftmals so einfach ist, geradezu vor einem liegt, eine große Rolle und du skizzierst auch in einigen Gesprächen zwischen Alvaro und Klara, was die Gesellschaft eigentlich daran hindert, nach ihrem Glück zu streben. Aber was bedeutet "Glück" denn für dich? Was macht dich glücklich? 
Mich macht glücklich, wenn es meiner Familie gut geht, wir uns als eine Einheit fühlen und miteinander Lachen. Es gibt nichts darüber! Und natürlich glückliche Leserinnen/er :-)

In deiner Vita steht, dass du Autor UND Hausmann bist. Letzteres ist ja in heutiger Zeit gar nicht mehr so ungewöhnlich und ich denke, dass deine Aufgaben sich gar nicht so sehr von den Aufgaben einer HausFRAU unterscheiden, aber wie organisierst du Autorenalltag mit Papa-Dasein? Welche Möglichkeiten/Schwierigkeiten ergeben sich aus diesem "Doppellleben"? 
Ja, gottseidank ist dies nicht mehr so ungewöhnlich. Zumindest in der Stadt nicht mehr. Bei mir in Bayern, auf dem Land sieht die Sache schon ganz anders aus. Ich organisiere das wie jede Hausfrau oder Hausmann, die/der Teil- oder Vollzeit arbeitet. Kinder in die Schule, ran an den Schreibtisch, los geschrieben...

Was ist für dich beim Schreiben essentiell wichtig oder verfolgst du ein bestimmtes Schreibritual? Wo entstehen deine Geschichten? 
Essentiell, in meinem Fall, ist es sich von der Intuition leiten zu lassen, die gibt die Richtung vor, hat immer Recht und den Rest muss ich nur noch erledigen. Spezielle Rituale habe ich nicht. Und die Geschichten entstehen im Alltag, die letzte ist beim Skifahren entstanden. Sie war auf ein Mal da. Und nach drei weiteren Abfahrten stand sie soweit im Grundgerüst. Dass heißt, ich wusste von was sie handeln sollte und wie sie zu schmecken hat. Der kommenden Roman ist mir beim Lesen einer Zeitungsnotiz eingefallen... So, nun muss ich aber los. Alles Liebe, Flori

Nochmals vielen lieben Dank für das Beantworten der Fragen, lieber Florian Herb! 

Hier findet ihr Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg nochmal auf der Verlagsseite. Florian Herb selbst hat auch  auch eine Gefällt mir-Seite auf Facebook, der ihr gerne einen Daumen hoch geben dürft. Weitere Bücher: 

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, wir lesen uns hier am Sonntag wieder :-) 

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