Ein paar Worte zu ... Paula Hawkins - Girl On The Train

Hallöchen ihr Lieben!
Und schon wieder soll es ein paar Worte geben, diesmal zu einem derzeit sehr gehypten Thriller: Girl On The Train von Paula Hawkins aus dem Hause blanvalet. Mir scheint, fast jeder würde dieses Buch gerade lesen, beziehungsweise hat es bereits getan. Und wenn schon ein Sebastian Fitzek sagt, dass Girl On The Train ein lesenswerter Thriller sei, dann muss da doch was dran sein oder? Aber erstmal...
Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht. Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse ...
(via randomhouse
Ich hatte ja zu Beginn des Lesens keine sehr hohen Erwartungen an die Geschichte. Ich habe erst ein gigantisch-gutes Buch beendet und wollte etwas leichtes, um mich wieder zu sortieren und das habe ich bei Girl On The Train auch bekommen.  Aber so richtig vom Hocker gerissen hat mich dieses Buch nun auch nicht. 

Die Geschichte wird zu Beginn aus der Perspektive der Rachel erzählt. Rachel fährt jeden Morgen mit dem Zug in die Londoner Innenstadt und abends wieder zurück. Somit gibt es immer morgendliche Beschreibungen und abendliche. Rachel beobachtet ihre Umgebung ganz genau, auf den verschiedenen Haltestationen, weiß sie immer, was sie erwarten wird. Zum Beispiel kann sie immer in den Garten dieses einen Pärchen schauen - Jess und Jason, wie Rachel sie tauft - die nicht unweit von dem Haus wohnen, welches sie sich einst mit ihrem Ex-Ehemann teilte.  Doch das ist schon eine ganze Weile her, Rachel hat die Trennung aber nach wie vor nicht verarbeiten können. Schlimmer noch, sie flüchtet sich regelmäßig in den Alkohol. Als sie dann diese schockierende Beobachtung macht und  "Jess" auch noch verschwindet, wendet sie sich an die örtliche Polizei. Doch die glaubt ihr kein Wort und erklärt sie als nicht zuverlässige Zeugin. Aber Rachel lässt nicht locker und verstrickt sich dabei tatsächlich in ungünstige Situationen. 

Prinzipiell ist die Plotidee recht gut angelegt, der Schreibstil sehr flüssig und durch die große Schriftgröße lesen sich 448 Buchseiten auch sehr leicht weg. Paula Hawkins setzt auf Psychospielchen, die den Leser an seinen eigenen Mutmaßungen zweifeln lassen. Bis zum Ende hin, hatte auch ich keine Ahnung, wer denn nun der Bösewicht ist. Und trotzdem hat mich die Auflösung des Rätsels nun auch nicht sonderlich überrascht zurückgelassen.

Darüber hinaus haben mich die Frauen im Buch selbst einfach genervt. Rachel, die Alkoholikerin, welche ständig nur wirres Zeugs redet, sich stets wiederholt und sich an so viele wichtige Details nicht erinnern kann - und sich deshalb stets im Selbstmitleid ersäuft und in der nächsten Sekunde wieder stalker-gleich auftritt. Dann Megan (beziehungsweise "Jess"), die nun auch nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein scheint ... naja und Anna, die war tatsächlich die nächste Rachel 2.0, nur ohne Alkoholeskapaden. Auch aus den Perspektiven der beiden letzten genannten Frauen wird erzählt, ebenfalls im morgens/abends-Rhythmus. Bei Megan überdies zeitlich versetzt, ihre Erzählungen spielen prinzipiell noch vor Rachels Erzählungen. Das hat mich zuerst etwas verwirrt, ergibt aber bei der Lektüre selbst durchaus Sinn. Trotzdem dachte ich mir bei so vielen Textstellen:"Man, ist/sind die blöd!" Ich mag es prinzipiell nicht, wenn Frauen so dargestellt werden, wie es in Girl On The Train der Fall ist - naiv und einfältig. Daher konnte ich auch die Handlungsbereitschaften nur wenig nachvollziehen.

Positiv zu vermerken ist aber, dass die Grundsituation eine alltägliche ist. Wie oft fahren wir mit dem Auto, mit der Bahn, mit dem Bus, mit dem Fahrrad oder eben mit dem Zug und beobachten? Beobachten Passanten oder einen anderen Fahrgast, der uns gegenüber sitzt oder hören Unterhaltungen ungewollt zu? Was würdest Du tun, wenn du in Rachels Schuhen stecken würdest, würdest du hinsehen oder wegschauen? Girl On The Train lässt es zu, dass sich der Leser oder die Leserin in die Hauptfiguren hinein versetzen kann, ohne dabei von oben herab zu erzählen. Es gibt keinen allgegenwärtigen Erzähler, der schon weiß, was geschehen ist. Deshalb macht es das Buch wahrscheinlich auch so "spannend", denn bei all der Kopfschüttelei wollte ich ja auch wissen, wie die Auflösung lautet.

Ich habe Girl On The Train von Paula Hawkins letztlich mit 3 von 5 Sternen bewertet. Es sollte mich nach dem Klopper-Buch vorher gut unterhalten, und das hat es letztlich auch - innerhalb von drei Tagen war das Buch durchgelesen. Es war kein schlechtes Buch, aber es hat mich auch nicht sonderlich überrascht. Mir hat letztlich einfach die Komplexität gefehlt, die ich bei vielen anderen Thrillern so liebe. Girl On The Train kann man mal lesen, es ist nun aber meiner Meinung nach kein absolutes Must-Read. Da kenne ich Thriller, die sehr viel schweißtreibender sind und auch mit der Verwirrung des eigenen Geistes spielen, so zum Beispiel S. J. Watson's Ich. Darf. Nicht. Schlafen. :-)


Hier findet ihr das Buch auf der Verlagsseite und hier geht es zur offiziellen Homepage der Autorin


Habt ihr das Buch bereits gelesen? Wie hat es euch gefallen? Lasst gern auch einen Link zu euren Rezensionen da!

Ich wünsche euch einen guten Start ins Wochenende, wir lesen uns hier am Sonntag wieder!

Kommentare

  1. Habs mit fünf bewertet, auch wenn ich an dem buch durchaus meine Mängel finden konnte. Aber letztendlich waren sie mir egal,, weil ich allein das ganze Konstrukt so genial fand und das belohnen wollte. :D
    Da hat mein Gefühl einfach gesagt, dass ist für mich richtig. :) Die Protagonisten fand ich auch alle toll, natürlich waren alle unsympathisch und blöd, aber ich fand sie interessant und wollte demnacht einfach mehr über sie erfahren und letztendlich gab es da ja auch immer kleinere Überraschungen, nur das große Ende fand ich leider vorhersehbar.. :)
    Ich. darf. nicht. schlafen fand ich unglaublich träge und lahm und ebenfalls vorhersehbar ohne Ende, da konnte mich gar nichts fesseln. Aber letztendlich ist das halt Geschmackssache. :)

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    1. Hallo liebe Svenja,

      na gottseidank haben wir alle verschiedene Geschmäcker, sonst wäre die (Buch-)Welt ja doch sehr sehr langweilig ;)
      Ich muss sagen, dass mir die Geschichten der jeweiligen Hauptfiguren doch zu aufgebauscht waren, zu viel Dramarama auf einem Haufen. Aber du schon sagst, nicht jeder kann das mögen, was alle anderen lieben ;)

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und ganz liebe Grüße an dich,
      maaraavillosa <3

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  2. Stimme da komplett mit dir überein, in allen Punkten. Vor allem die naive und teilweise fast dumme Darstellung der Frauen hat mich extrem genervt. Auch dass manche Handlungen einiger Männer in der Geschichte im Nachhinein so runtergespielt wurden.

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    1. Ich fand auch die Auflösung zum Ende hin, was die Hintergrundgeschichte des Bösewichts angeht auch mehr als fragwürdig. Ein Hä?-Gedanke blieb da leider nicht ganz aus :D

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