Ein paar Worte zu... Melanie Raabe - Die Falle

Einen wunderschönen guten Abend, ihr Lieben! 
Pünktlich zum Wochenende gibt es wieder ein paar Worte. Vor knapp zwei Wochen hat Sebastian Fitzek in einem Fernsehbeitrag seine Buchtipps für den Sommerurlaub präsentiert, seitdem lese ich wieder fleißig Thriller. Zwar hat mir Girl On The Train von Paula Hawkins entgegen des  großen Hypes jetzt nicht so gut gefallen, dafür konnte mich Melanie Raabe's Die Falle schon sehr viel mehr überzeugen. Aber zunächst...
Die berühmte Bestsellerautorin Linda Conrads lebt sehr zurückgezogen. Seit elf Jahren hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Als sie im Fernsehen den Mann zu erkennen glaubt, der vor Jahren ihre Schwester umgebracht hat, versucht sie, ihm eine Falle zu stellen – Köder ist sie selbst. 
Ich bin nach wie vor fasziniert davon, dass es Melanie Raabe gelungen ist, aus einem normalen Haus am Starnberger See ein ganzes Universum zu schaffen. Universum deshalb, da die Protagonistin Laura Conrads, aus ihrer Sicht wird auch erzählt, hat seit 4015 Tagen keinen Schritt mehr vor die Tür gewagt. Laura Conrads verlässt ihr Haus nicht, sie lebt freiwillig in Isolation, noch nicht einmal den häuslichen Garten betritt sie - dieses Stück Freiheit gewährt sie stattdessen ihrem Hund Bukowski. Die Einkäufe werden von einer Haushälterin erledigt, der Arzt macht, wenn denn nötig, Hausbesuche. Der einzige Kontakt nach "draußen" findet über Bücher, Fernsehen oder ihrem Verleger statt. 

Laura Conrads ist aber auch Bestseller-Autorin, jedes ihrer Bücher ein Erfolg. Trotzdem stellt sich alle Welt die Frage, warum diese Frau so zurückgezogen lebt - man mutmaßt über verschiedenste Krankheiten, um dieses Verhalten zu erklären. Niemand weiß, dass Laura Conrads Schwester vor elf Jahren ermordet und auch der Täter nie gefasst wurde. Bis Laura Conrads genau diesen in einer Fernsehsendung zu erkennen glaubt und diese Entdeckung ihr den Antrieb gibt, über sich hinauszuwachsen. 

Alleine die Idee, dass jemand sein Haus einfach nicht mehr verlässt, gefällt mir persönlich richtig gut. Wäre ich selbst in dieser Situation, ich glaube, ich wäre des Wahnsinns nah - ich würde einen Lagerkoller bekommen. Aber Laura Conrads, beziehungsweise Melanie Raabe, beschreiben diese freiwillige Isolation doch recht anschaulich: Man entscheidet einfach, die Wohnung/das Haus für den heutigen Tag nicht zu verlassen. Morgen trifft man dieselbe Entscheidung, und übermorgen auch. Irgendwann wird es zur Gewohnheit, seine Räumlichkeiten nicht mehr zu verlassen und heutzutage ist es ja, wenn wir mal ehrlich sind, nicht mehr zwingend notwendig. Verschiedene Lebensmittelketten liefern dir deine Einkäufe auf Wunsch nach Hause und Hausbesuche macht ein Arzt auch heute noch. Per Mausklick kannst du dich in sekundenschnelle über den Erdball bewegen, dir Informationen einholen und wer was von dir möchte, kann ja auch dich besuchen kommen - zur Not gibt es noch das gute alte Telefon. Dieses Wissen bereitet mir schon fast Unbehagen, weil wir mittlerweile ein so grenzenloses Leben führen, welches uns nichtmal dazu zwingt, das eigene Etablissement zu verlassen. Aber mal ganz abgesehen davon: Ich konnte Laura Conrads nachempfinden, auch dann, wenn sie an ihrem eigenen Verstand zweifelte! Und diese Zweifel sind nicht gerade unberechtigt, immer wieder kommt es zu plausiblen Plot-Twist, die auch mich als Leserin stets in neue Abzweigungen gedrängt haben, welche überdacht werden mussten.

Ebenfalls ein großes Lob von mir für die eingebaute Metaebene "ein Buch im Buch". Die Entdeckung des Mörders ihrer Schwester bringt Laura Conrads dazu, einen neuen Roman zu schreiben; in diesem verarbeitet sie den Mord selbst. Dieses Buch im Buch gibt also noch weitere Informationen zu den Hintergründen und auch über die Figuren selbst preis - und jagten meine Vermutungen zum Täter ins Bockshorn! Solch ein Stilmittel ist jetzt nicht neu, Arno Strobel hat sich in Das Skript auch an der "Buch im Buch"-Methode versucht. Mich konnte es aber damals nicht überzeugen. Umso schöner, dass Melanie Raabe dies geschafft hat! Dennoch habe ich keine fünf Sterne vergeben, denn mir war die Auflösung des Ganzen dann doch zu lasch und schon fast zu plötzlich - auch wenn das Tatmotiv selbst ein Gutes war. Ich hätte mir aber mehr Überwindung seitens der Figuren gewünscht. Denn auch wenn so vieles im Roman so einfach scheint, ist es ja doch ungemein komplex. Mir war es gen Ende einfach zu übereilt, zu spontan und vor allem zu simpel.

Von dieser kleinen negativen Kritik mal abgesehen, war Die Falle von Melanie Raabe aber ein tolles Lesevergnügen für mich, mit einer vollends ausgereiften Protagonistin, die keinesfalls naiv oder gar dämlich daher kommt. Auch der Schreibstil selbst konnte mich überzeugen, subtil und rasant, wie ein guter Thriller eben sein muss. Das Buch war in nur wenigen Tagen durchgelesen! Vier Sterne dafür! 

Hier findet ihr das Buch auf der Verlagsseite, da gibt es übrigens auch eine Leseprobe. Zur offiziellen Homepage von Melanie Raabe geht es hier entlang (sie hat auch einen eigenen Blog!). Und es gibt auch ein lesenswertes Portrait in DIE WELT, falls ihr noch mehr über die Autorin erfahren wollt.

Habt ihr das Buch bereits gelesen? Wie hat es euch gefallen? Lasst auch gerne Links zu euren Rezensionen da! 

Wir lesen uns hier im August wieder, also Sonntag ;-) 

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