Ein paar Worte zu ... Susan Juby - Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen

Einen wunderschönen guten Tag ihr Lieben! 
Wie immer zum Freitag gibt es auch heute wieder ein paar Worte zu einem gelesenen Buch. Diesmal handelt es sich dabei um Susan Juby's Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen. Hier kommt ihr zu Susan Juby's Autoren-Seite, und hier ist das Buch auch nochmal auf der Webseite des cbj-Verlags zu finden. Mir wurde dieses Buch als Rezensionsexemplar zugeschickt.* Vielen lieben Dank an den Verlag dafür! Eine vielversprechende Geschichte, die es leider nicht schaffte, großartig zu werden. Aber erstmal...
Die Freunde Normandy, Dusk und Neil wagen ein Experiment der besonderen Art und gründen die Wahrheitskommission. Die Idee dahinter? Eine Person das fragen, was sich niemand auszusprechen traute, obwohl sich doch jeder dafür interessierte. Wir kennen diesen modernen Gossip - jeder hat schonmal über jemanden geredet und gemutmaßt. So wechseln sich die drei Freunde in ihren Befragungen ab, jede Woche muss ein anderer von ihnen jemanden ihrer Kunst-Schule auf den Zahn fühlen. Dabei treten sie nicht nur Türen bei ihren Mitschülern ein oder bringen Mauern von Lügen zum einstürzen - sie erfahren dabei auch ihre ganz eigene Wahrheit. Und Normandy lässt uns in Essay-Form daran teilhaben.
Ich hatte dieses Buch auch bei der lieben Mona vom Booktuber-Kanal KleineMonii gesehen und fühlte mich sofort von der Beschreibung angesprochen. Jugendliche, die anderen Leuten mal ganz unverfroren auf den Zahn fühlen und die "Frechheit" besitzen, die Klassenkameradin nach ihren gemachten Brüsten auszufragen. Das schreit doch schon nach sehr viel Drama! Vor allem weil der Klappentext ja ebenso verspricht, dass die drei Freunde sich selbst in irgendeiner Weise der Wahrheit stellen müssen ... aber irgendwie haperte es sehr stark an der Umsetzung. 
Dabei lief es zu Beginn recht gut. Man wird recht flott in die Geschichte eingeführt und bekommt auch schnell einen Draht zur Schreiberin Normandy. Das Besondere an der Geschichte ist gleichzeitig sehr ungewöhnlich für einen Roman: Normandy schreibt die Erlebnisse der Wahrheitskommission in Essay-Form auf - mit Fußnoten. Ich könnte mir vorstellen, dass viele diese Art der Stilistik sehr gewöhnungsbedürftig empfinden. Mir hingegen hat es zu Beginn recht wenig ausgemacht, zwischen Normaltext und Fußnote zu switchen - nach fünf Jahren Studium gewöhnt man sich ja schließlich an alles (naja fast alles).

Die Jugendlichen führen also ihre Wahrheitskommission durch, planen wer wann wie wen nach der Wahrheit fragt und was mich zwar zu Beginn noch recht wenig störte, aber im weiteren Verlauf immer mehr: es scheint gar nicht so schwierig zu sein, den Mitschülern oder auch Lehrern die Wahrheit über die eigene Person zu entlocken. Es hatte förmlich den Anschein, als wollten die Leute gerade über unangenehme Wahrheiten sprechen. Normandy, Neil und Dusk kamen meiner Meinung nach nie an einen Punkt, an dem es wirklich schwierig oder gar brenzlig wurde. Sie wurden meiner Meinung nach nie in ihrem Tun behindert. Das war vielleicht zu Beginn der Geschichte noch recht angenehm, aber im weiteren Verlauf wurde ich in meiner Erwartung, dass da auch mal was dramatisches passiert, schlichtweg enttäuscht. 
Dramatisch wurde es lediglich in Bezug auf Normandy - die übrigens die einzige ist, die sich mit ihrer eigenen Wahrheit auseinander setzen muss. Denn Normandy wächst in einer recht eigenartigen Familie auf. Ihre Schwester Keira ist eine weltberühmte Graphic Novel-Autorin und quasi der goldene Stern in der Familie. Normandy würde ich jetzt nicht als schwarzes Schaf bezeichnen, aber sie steht definitiv im Schatten ihrer Schwester. Dass Keira aber auf ganz widerliche Art und Weise in dieser Familie ein- und ausgeht, ist für Normandy ein richtiges Problem und eine Wahrheit, die sich Normandy's Eltern nicht eingestehen wollen. Die Kapitel, in denen es um Normandy's Familie geht, sind übrigens die tiefgründigsten im gesamten Buch. Alles andere bleibt sehr oberflächlich, obwohl es doch eigentlich um Wahrheiten geht. Zumindest habe ich es so empfunden und dies fand ich auch in Bezug auf die Aktionen der Wahrheitskommission sehr schade. Denn die empfand ich dann mehr und mehr als störend. Ich wollte nicht mehr wissen, ob eine Mitschülerin etwas mit zwei Typen gleichzeitig hatte. Ich wollte wissen, was da bei Normandy zuhause los war, was mit Keira nicht stimmt! 

Und von da an störten mich auch die Fußnoten, die gen Ende des Buches kaum noch etwas mit dem Inhalt der Geschichte gemein hatten und einfach ... ja, da standen, wenig sinnhaft waren und mich nervten - und ich musste sie dennoch lesen, man könnte ja was wichtiges zwischen den Zeilen verpassen. Auf den letzten hundert Seiten etwa hatte die Geschichte dann zudem keinen einzigen roten Faden mehr, an dem ich mich persönlich langhangeln konnte. Mir kam es so vor, als hätte die Autorin ein Seiten-Limit auferlegt bekommen und hat für sich nur noch eine Checkliste abgearbeitet, mit Dingen, die man ja noch verwursteln könnte, damit man sie mal erwähnt hat: Liebesgeschichte, Rechtsstreit und andere Lapalien. Richtig schade fand ich auch die Entwicklung zwischen Normandy und ihrer Familie. Das Ende war schlicht und ergreifend mehr als abstruß. Punkt. 

Ich hätte es besser gefunden, hätte sich Susan Juby auf einen Aspekt konzentriert, um diesen dann wirklich tiefgreifend auszubauen. Ich hatte einfach erwartet, dass es wirklich darum geht, die Wahrheit über sich selbst zu finden; dass es eine Moral wie "Fass dir erstmal an deine eigene Nase und kehre vor deiner eigenen Haustür"geben würde. Ich hatte aber auch erwartet, dass die Probleme in Normandy's Familie in irgendeiner Weise gelöst werden würden. Aber so? Die Geschichte wirkte am Ende einfach nur abgehakt, die Charaktere blass und nur wenig sympathisch. Ich habe letztlich zwei Sterne vergeben, denn der Grundplot war eine wirklich großartige Idee. Nur leider hat Susan Juby mit jeder Seite in Der Tag, als wir begannen die Wahrheit zu sagen mehr, immer weiter dran vorbei geschrieben. Ich würde das Buch womöglich nicht weiter empfehlen. 

*Wir ihr vielleicht in der Bildbeschreibung gesehen habt, wird das Buch eigentlich erst am Montag veröffentlicht. Kaufen könnt ihr es aber bereits seit heute, zum Beispiel bei Hugendubel oder Amazon.

Ich wünsche Euch ein fantastisches Wochenende und nicht vergessen: Noch bis nächste Woche Donnerstag könnt ihr buchiges zum Welttag des Buches gewinnen! Klickt dafür einfach auf den Blogger schenken Lesefreude-Banner :-)

Kommentare:

  1. Hallo maaraavillosa! ☺ (Ich bins nochmal...^^)

    Hast du eigentlich schon vom Bloggernetzwerk gehört? Wenn nicht, dann lass' ich dir mal eben den Link zum Hintergrund des Blogprojekts da:
    https://bloggervernetzt.wordpress.com/an-blogger/
    Jedenfalls bin ich dort seit etwa seit März 2015 Mitglied und würde mich sehr freuen, wenn ich deine Rezension hier zu "Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen" verlinken dürfte. (Und mit deiner Erlaubnis hoffentlich auch in Zukunft ein paar deiner Rezensionen?)
    Und hier sende ich dir noch einen Beispiellink, wie das Ganze im Endeffekt aussieht:
    https://bloggervernetzt.wordpress.com/2015/05/19/der-tag-als-wir-begannen-die-wahrheit-zu-sagen-von-susan-juby/

    Über eine kurze Antwort (gerne hier, ich schaue wieder vorbei) würde ich mich sehr freuen!
    Ganz lieben Gruß ♥,
    Janine

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    1. Halllooooo :)

      Ich habe dich mal bei G+ hinzugefügt, aber ich habe noch nicht ganz rausgefunden, wie man da Nachrichten verschicken kann, deshalb schreibe ich dir hier nun :)

      Nochmals vielen lieben Dank für so liebe Worte und auch für dieses Angebot! Mich würde es sehr freuen, wenn ihr die Rezension verlinkt und ihr natürlich auch die Erlaubnis weitere Rezensionen zu verlinken :) Ich finde die Idee, die hinter diesem Netzwerk steckt wirklich toll, das wird gleich mal bei Facebook geteilt!

      Liebste Grüße,
      maaraavillosa <3

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    2. Grüß' dich!
      Schon in Ordnung, ich habe ja geschrieben, dass ich wieder bei dir vorbeischaue. ;-))
      Jedenfalls danke für deine Antwort und deine Erlaubnis, deine Rezensionen in Zukunft berücksichtigen zu dürfen - das freut mein Team und mich natürlich sehr. :) Und dass es bei FB geteilt hast, ist natürlich oberhammer!^^
      Ich werde mich auch gleich mal an die Arbeit machen und schauen, was ich schon alles bei uns im Bloggernetzwerk verlinken kann.

      Alles Liebe ♥,
      Janine

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