Ein paar Worte zu... Ava Dellaira - Love Letters To The Dead

Einen wundervollen Sonntag ihr Lieben! 
Auch heute gibt es wieder ein paar Worte zu einem Jugendbuch, welches derzeit in aller Munde ist. Die Rede ist von Ava Dellaira's Love Letters To The Dead. Für mich ein Roman über das Suchen und Finden des eigenen Seins. Mir wurde dieses Buch als Rezensionsexemplar zugeschickt. Vielen lieben Dank an den Verlag dafür!
Im Englischunterricht bekommt Laurel die Aufgabe, einem verstorbenen Künstler einen Brief zu schreiben. Die Wahl fällt auf den Musiker Kurt Cobain, der gleichzeitig auch der Lieblingskünstler ihrer verstorbenen Schwester May war. Was ursprünglich als Hausaufgabe gedacht ist, entwickelt sich für Laurel schnell zu einem größeren Projekt, denn sie schreibt nicht nur diesen einen Brief an Kurt Cobain. Sie schreibt dutzende Briefe an all die Berühmtheiten, die sich dazu entschlossen haben, die Welt früher zu verlassen und von denen uns heute nichts mehr bleibt als die Erinnerung an ihre großartigen Werke. In den Zwiegesprächen mit Amy Winehouse, Jim Morrison, Heath Ledger, Elizabeth Bishop und vielen anderen verarbeitet Laurel nach und nach den Tod ihrer Schwester und findet dabei immer mehr zurück zu sich selbst.
Auch wenn das Jahr noch verhältnismäßig jung ist, kann ich jetzt schon sagen, dass Love Letters To The Dead von Ava Dellaira ein absolutes Buchhighlight für mich ist, welches mich auf verschiedenste Weise sehr stark berührt hat. Schon auf den ersten 30 Seiten hat mich diese Geschichte so gepackt - ob ich nun einfach verweichtlicht bin, sei mal so dahin gestellt. Ich kann mich jedenfalls an kein Buch aus dem Jahr 2014 erinnern, was mich in dieser Weise bewegt hat. Die Protagonistin Laurel war für mich als Leserin zum Greifen nahe und ich konnte mich wirklich gut mit ihr identifizieren. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass Laurel es gerade nicht einfach hat. Dass sie seit dem Tod ihrer Schwester May nicht weiß, wer sie eigentlich ist und nicht weiß, wohin mit all der Trauer. Ihre Eltern sind in besonderer Weise mitgenommen vom Tod ihrer Tochter May und man bekommt ziemlich schnell einen guten Eindruck von Laurels gebrochener Situation. Denn sowohl Vater als auch Mutter sind in ihrer eigenen Trauer isoliert. Gerade die Mutter fällte eine folgenschwere Entscheidung: vor der Trauer davonlaufen und wegziehen, in dem Glauben, dass dies das Richtige für alle Beteiligten wäre.
 Nur Tante Amy scheint ein kleines Auffangbecken für Laurel zu sein, gleichwohl sie einen ziemlichen Hang zu Gott hat. Aber damit scheint Laurel sich arrangieren zu können, doch verstanden fühlt sie sich dennoch nicht von dieser Welt. Der Mensch, der sich verstanden hat, mit dem sie all ihre Geheimnisse und Träume teilte, zu dem sie aufsah, ist nicht mehr da. Um nicht den mitleidigen Blicken ausgesetzt zu sein, entschließt sich Laurel dazu die Schule zu wechseln und pendelt von da an immer abwechselnd zwischen dem Zuhause bei ihrem Vater und ihrer Tante.  Vorerst geschützt durch den Neubeginn und der damit verbundenen Anonymität durchläuft Laurel sämtliche Phasen der Trauerbewältigung und setzt sich in ihren Briefen zu all den Verstorbenen sehr reflektiv mit sich selbst und der Welt auseinander. Sie schimpft und flucht, sie bedauert und bemitleidet, aber sie lernt auch die nach und nach wiederkehrenden kleinen Freuden des Lebens besonders zu schätzen. Und vor allem lernt sie es, sich selbst zu schätzen!
 Dabei helfen ihr vor allem die neuen Bekanntschaften, die sie an ihrer neuen Schule macht. Diese bringen sie dazu, aus sich selbst auszubrechen - auch wenn dieses Ausbrechen nicht immer gut ist. Laurel lernt sehr schnell, dass jeder ein Päckchen mit sich zu tragen hat. Ob groß oder klein, diese Päckchen prägen die Menschen. Und auch ihre Schwester May hatte so ein Päckchen zu tragen, was sie letztlich zu diesem Menschen gemacht hat, der sie war. 
Mir hat dabei vor allem der Schreibstil von Ava Dellaira gefallen, der für mich nicht nur sehr bildhaft war, sondern auch immer eine Botschaft mit sich trug, wo ich als Leserin immer dachte:"Ja, genau so ist es!" Und dies ist wahrscheinlich auch der ausschlaggebende Punkt für all die Sympathien, die man dann mit Laurel hat, denn sie hat ja in jedem Standpunkt, den sie in ihren Briefen vertritt, recht! Und mir ist es auch nicht besonders schwer gefallen, ihr Handeln (und sei es auch noch so naiv) nachvollziehen zu können, denn sie hatte in jedem einzelnen Moment die Absolution für ihr Tun. Gleichzeitig erschien sie mir aber auch erst dadurch als eine unfassbar starke Person, in der sehr viel Mut steckt!
Während des Lesens erfuhr ich nicht nur über die Gründe für das Ableben der einzelnen Persönlichkeiten. Mit jeder umgeblätterten Seite dringt man auch immer weiter in die Tiefen von Laurels Gedanken und Stück für Stück erfährt man auch, warum May eigentlich gestorben ist. Ein weiterer Aspekt, der dieses Buch zu etwas besonderem macht, ungeachtet dessen, dass es sich sehr stark am Abgrund bewegt und zum Ende der Geschichte hin auch einen sehr bewegenden Höhepunkt erreicht. Trotz der recht traurigen Thematik hat es mir dennoch sehr viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen, weil es einfach mal wieder ein Buch mit sehr viel Tiefgang war. Das ist nicht jedermanns Geschmack, denn diese Tiefen können an manchen Stellen auch sehr ungemütlich sein. Aber mir persönlich hat gerade dies besonders gut gefallen, denn das Leben funktioniert nunmal nicht anders. Fünf von fünf Sternen!

Habt ihr Love Letters To The Dead bereits gelesen? Wie hat es Euch gefallen? Wäre dieses Buch etwas für Euch?Schreibt mir doch bitte auch mal in die Kommentare, wie ihr es findet, dass ich aus einigen Büchern Stellen zitiere? Ist dies für Euch hilfreich oder eher sinnlos?

Kommentare:

  1. Nein, das darfst du nicht. Ich hab absolutes Buchkaufverbot. Strengstes!!
    Und jetzt schwärmt jeder von dem Buch und von deiner Meinung halte ich doch so mega viel. Grummel. Ich werde arm zu Grunde gehen. Aber hey, wenigstens leisten mir ein paar Hundert Bücher dabei Gesellschaft ;)

    Danke für diese ehrliche und wunderschöne Rezi

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    1. Das ist die Returkutsche für all die Buchanfixungen deinerseits :P

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    2. Wahhhh. Schreibfehler: RetOurkutsche natürlich :D

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