Ein paar Worte zur ... Kai Twilfer-Lesung: Schantall tut LIVE


Hallöchen meine Lieben! 
Am Mittwochabend durfte ich meinen Rowdy zu einer Lesung begleiten. Kai Twilfer startete seine Comedy-Tour durch Deutschland und machte zuerst in Erfurt Halt. Mit im Gepäck: die SPIEGEL-Bestseller Schantall, tu ma die Omma winken und Schantall, tu ma die Omma Prost sagen - Alltagsszenen eines unerschrockenem Sozialarbeiters. Das Ganze fand im DasDie Brettl statt. 

Ich habe die Bücher von Kai Twilfer selbst noch nicht gelesen, aber Schantall, tu ma die Omma winken! liegt bereits auf meinen SuB. Mein Rowdy und viele andere schwärmen aber in den höchsten Tönen von diesem Buch, weil es eben sehr satirisch angehaucht sei und sich irgendwo zwischen alltäglicher Sozialarbeit und dem Nachmittagsprogramm von RTL bewege - Ich erhoffte mir unterschwellige Sozialkritik! Die Fakten aber gleich zu Beginn: Die Geschichten sind rein fiktiv, Kai Twilfer ist kein Sozialarbeiter.

Ich bin überdies schon mit einem anderen Gefühl in die Lesung gegangen, als bei anderen Lesungen zuvor. Denn Fitzeks Bücher habe ich alle gelesen. Jan Weiler himmle ich mittlerweile auch sehr an. David Safier ist super und auch Kerstin Gier konnte mich sehr von sich überzeugen - um nur mal einige Lesungen zu nennen, die ich toll fand. Da hatte ich aber auch vorher die Bücher gelesen. Und ich konnte ungefähr einschätzen, was mich erwartet. 
Eigentlich hatte ich nicht gewollt, dass dieser Blogeintrag ein Verriss zur Lesung wird. Aber meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Und dies gleich auf mehrfache Weise. Aber erstmal auf Anfang: Kai Twilfer eröffnete seine Lesung und ja, es handelte sich dabei auch um eine Comedy-Show. Das Bühnenbild war schrullig gehalten, eben ganz passend zu Familie Pröllmann, die auch im weiteren Verlauf des Ganzen ausgiebig mittels Textauszug vorgestellt wurde. Vorher wurde aber nochmal auf die Ernsthaftigkeit der ganzen Thematik verwiesen, denn in unserer Gesellschaft herrscht ein ernstzunehmendes Problem vor: Der Kevinismus! Bildungsarmut, die schon im Vornamen steckt. Dazu wurden nette Bildchen vorgeführt, die ich tatsächlich als sehr witzig empfand. Aber nun gut, an die Problematik des Kevinismus herangeführt, wurde dann aus Schantall, tu ma die Omma winken gelesen, und dabei handelte es sich nicht etwa um eine kurze Sequenz. Nein, nein. 




Und das ist eigentlich schon der erste Kritikpunkt, den ich hier anführen möchte. Das Vorgelesene war einfach unglaublich lang und ich bin dies von anderen Autoren schlichtweg nicht gewöhnt. Kleine Textpassagen ja, aber bitte nicht gefühlt 1/3 des gesamten Buches. Denn dann brauche ich es mir schlichtweg nicht mehr kaufen geschweigedenn durchlesen. Darüber hinaus empfand ich die detaillierte Beschreibung des Wohnraums von Familie Pröllmann auch als sehr anstrengend. Ich schaue mir Lesungen selbstverständlich auch wegen der aktuellen Bücher an, aber vielmehr interessiert mich doch die Person die hinter all dem steckt: der Autor oder die Autorin. Ich möchte echte Anekdoten hören und Geschichten, die nicht ausschließlich aus dem aktuellen Roman stammen. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu anspruchsvoll?
Der Autor brauchte nach dieser echt langen Lesezeit (keine Ironie!) eine Pause und das Publikum auch. Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt: Das Publikum! Mal abgesehen davon, dass wir als Anwesende wahrscheinlich unerwartet den Altersdurchschnitt um einiges gesenkt haben, ging da ja mal gar nichts! Lediglich die reizenden Damen am Mitteltisch hatten sichtlich feuchtfröhlichen Spaß, aber der Rest? Seit wann sind die Erfurter denn nur so unwitzig? Selbst das Lachen aus reiner Höflichkeit blieb aus. Ich persönlich empfand diesen Umstand wirklich erschreckend. Und ich schließe daran gleich meine nächste Empfindung, denn nach der Pause ging es mit der Lesung wirklich nur noch Richtung Talfahrt. Vor allem was das Niveau betrifft. Ich kann es mir nicht wirklich erklären, aber vielleicht lässt es sich so sagen: Magnetische Anziehungskraft zwischen Kai Twilfer und Publikum haste da nun einfach nicht gefunden. Und Kai Twilfer, so fand ich, hat sich anfangs wirklich sehr sehr viel Mühe gegeben, den Erfurter Statuen mal einen richtigen Lacher inklusive Schenkelklopfer zu entlocken. Aber da kam einfach nichts zurück. Aber vielleicht hat auch das Publikum etwas ganz anderes erwartet? Vielleicht war es aber auch die pure Verzweiflung des Autors nur noch Flachwitze mit sexistischem Inhalt zu reißen - und nein, Herr Twilfer, Witze über adipöse Menschen und die Periode einer Frau sind einfach nicht in Ordnung! - vielleicht gehörte es aber auch zum Programm. Ganz egal. Fakt ist: Mir hat es ganz und gar nicht gefallen. Punkt. 
Ich kann auch nicht wirklich sagen, ob Kai Twilfer tatsächlich so gestrickt ist, oder ob auch dieser Sinneswandel ein Akt reiner Verzweiflung war, aber mich erinnerte er zunehmend entweder an Mario Barth - diese Figur kann ich überhaupt nicht ausstehen - oder aber an einen Kaffeefahrten-Entertainer - ist jetzt nicht so meine Zielgruppe. Was war denn da nur los?

Insgesamt ist das sehr sehr schade, weil ich mir wirklich mehr erhofft hatte. Vielleicht sogar eine ähnliche Lesung wie die von Jan Weiler (der Mann ist einfach großartig!). Im anschließendem Gespräch machte Kai Twilfer ja noch nichtmal einen unsympathischen Eindruck. Ganz im Gegenteil, aber die Lesung hat er einfach mal unkorrekt verkackt. Sorry! 

Und das ist auch nicht ganz unegal, denn die Karten waren nicht gerade günstig und zudem noch ein Geburtstagsgeschenk für mein Rowdy - doppelte Enttäuschung auf ganzer Linie? Was mich wiederum zu einem etwas anderen, aber durchaus wichtigen Kritikpunkt bringt: Die Location! Ich war zuvor noch nie im DasDie Brettl, aber so schnell möchte ich da auch nicht wieder hin. Wie ich bereits sagte, hatte das Ambiente etwas von einer Kaffeefahrt. Sehr sehr ungemütlich, fast schon Turnhallen-Feeling und die Tischdecken waren voller Haare und Schmutzflecken. Hmmm, yummy! Nicht. Die Fotos davon erspare ich Euch an dieser Stelle. Dafür ist aber nicht etwa Kai Twilfer zu verantworten, sondern die Veranstalter selbst. Das grenzt schon an Respektlosigkeit. Shame on you.

Gewünscht hätte ich mir eine lustige Lesung im Stil von Jan Weiler, in einem kleinen gemütlichen Ambiente, mit einem lustigen Publikum (die Erfurter können das eigentlich!) und vielleicht, auch bei all der lustigen Thematik, ein bisschen mehr political correctness! und weniger Mario Barth. Das haben Sie doch gar nicht nötig, Herr Twilfer! Insgesamt war die Veranstaltung also leider ein Flop.

Das Buch werde ich trotz allem lesen, auch wenn die eigentliche Message des Ganzen immernoch auf dem Grund des Ozeans schwimmt - wobei,... hat das Buch eigentlich eine Message? Man weiß es nicht.

Ich wünsche Euch dennoch ein ganz tolles Wochenende, 

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