Ein paar Worte zu... David Gray: Sherlock Holmes - Das Grab der Molly Maguire

Einen wunderschönen guten Tag ihr Lieben! 
Unschwer zu erkennen soll es heute um eine ganz bestimmte männliche Figur der Krimi-Welt gehen. Zeitgleich ist sie derzeit durch eine ziemlich gehypte BBC-Serie nochmal ein Stück mehr in aller Munde und ich muss zugeben, ich bin jetzt seit ziemlich genau einer Woche auch wieder sher-locked!
Den Schuh hierfür darf sich gerne der Autor David Gray (sein Name ist natürlich ein Pseudonym) anziehen, der mich vor etwas mehr als einer Woche gefragt hat, ob ich seinen zweiten Sherlock Holmes-Krimi Das Grab der Molly Maguire lesen und rezensieren wolle. Zugesagt und schneller fertig, als geplant! An dieser Stelle nochmals vielen lieben Dank für das Rezi-Exemplar :-) 
Der Autor David Gray stößt im Londoner Archiv für eine Buchrecherche auf ein Dossier höchster Geheimhaltung. Die Aufzeichnungen tragen keine andere Handschrift, als die des weltberühmten Assistenten Dr. John Watson - Sherlock Holmes' partner in crime! Die vor ihm liegenden Notizen stammen aus einer Sammlung an Schriften, mit dem Titel Eine Studie in Angst. In einer Kurzschlussreaktion - denn Arbeitszeiten im Archiv sind zeitlich begrenzt und Fotokopien ein langwierig bürokratischer Akt - schreibt er die vorliegenden Aufzeichnungen ab. Der erste Teil ist bereits erschienen, mit Das Grab der Molly Maguire gehen die Geschichten um Sherlock, Watson und die Jagd auf die schlimmsten Verbrecher Londons im 19. Jahrhundert weiter. 

Im zweiten Teil werden Sherlock und Watson zu einem Verbrechen hinzugezogen, das London in Angst und Schrecken versetzt. Zwei Jahre war es ruhig um ihn, doch ist die makaber verstümmelte Frau tatsächlich die Handschrift des Serienkillers Jack The Ripper? Und ist des Rätsels Lösung doch so einfach?
Wie ihr vielleicht schon am Titelbild erkennen könnt, ist dies nicht meine erste Begegnung mit Sherlock Holmes. Vor etwa fünf Jahren habe ich mir aus London selbst einige Sherlock Holmes-Bücher mitgebracht und in englischer Sprache verschlungen. Dann kamen die gleichnamigen Verfilmungen mit Robert Downey Jr. und Jude Law in den Hauptrollen in die Kinos (eine grandiose Besetzung, wie ich übrigens finde!) und die Geschichten um den weltbekanntesten Detektiv, mit seinem großen Hang zum Zynismus, waren wieder in aller Munde. Deshalb war meine Zusage zur Rezensionsanfrage auch gar nicht so abwegig, denn Sherlock geht irgendwie immer. Und ich wurde nicht enttäuscht! Auch ohne den ersten Teil aus Grays Feder gelesen zu haben, war es, als würde man einen alten Bekannten wiedertreffen, so passend war der Schreibstil -  ich hätte den Unterschied zu Doyle nicht bemerkt, wenn ich nicht gewusste hätte, von wem das Buch kommt. 

Sehr gut hat mir vor allem der Einstieg gefallen. Ich wurde nicht in etwas hinein manövriert, indem ich mich selbst irgendwie zurecht finden musste, sondern David Gray nahm mich quasi mit seinen Augen ins Londoner Archiv mit und ich konnte durch seine Augen dieses geheime Dossier öffnen (was ich ohne Zweifel auch sofort geöffnet hätte!) und in den neuen Mordfall eintauchen. Holmes und Watson waren tatsächlich so etwas wie alte Bekannte, denen ich bei ihren Ermittlungen über die Schulter schauen durfte, was (Achtung, eine Warnung für Zartbesaitete) an einigen Textstellen auch mir ein bisschen an die Nieren ging. Fakt ist aber, dass London nunmal zu jener Zeit viele heruntergekommene, dreckige und dunkle Gassen inne hatte, weshalb diese Zuschreibungen der Tatorte nicht passender hätten sein können. Das war "damals" eben so, würde man jetzt sagen!

Was ich über die letzten Jahre irgendwie vergessen hatte, ist die Komplexität, die so ein Sherlock Holmes-Fall mit sich bringt. Das liest sich nicht mal eben so nebenher weg und wer die Serie Sherlock schaut, weiß auch, dass man das nicht nebenher gucken kann. Obacht, meine Damen und Herren, von der ersten bis zur letzten Seite - auch bei David Gray!

Ansonsten hat dieser Sherlock Holmes-Fall aber alles, was alle zuvor Dagewesene auch hat und das wir Sherlock-Fans (ich benenne das jetzt mal so) so lieben: ausgefallende Dialoge, sehr viel Scharfsinn, kein 08/15-Schnulli und vor allem ein sensationeller Schlagabtausch zwischen Holmes, Watson und allen anderen jeweiligen Protagonisten. 

Was schon sehr viele andere Rezensenten vor mir gelobt haben: Gray hat in Das Grab der Molly Maguire sehr viele Szenen eingebaut, die auf sehr subtile Art und Weise die Beziehung zwischen Watson und Holmes darlegen. Dieses Band, was diese beiden zusammenhält wird vor allem gen Ende oftmals gut sichtbar. Das hat mir wirklich sehr gefallen, denn charakterlich ist Sherlock, zumindest versucht er es, die Unnahbarkeit in Person. Und wenn da mal ein kleines Fünkchen Emotionalität aus ihm rausgekitzelt wird, macht er es dir mit seinem Zynismus sofort wieder Zunichte.

Aber auch die Nebendarsteller, wie Sherlocks Bruder Mycroft oder die Haushälterin Mrs. Hudson bekommen ihr wohlverdientes Rampenlicht und ich muss nochmal betonen, dass ich die Mrs. Hudson ja wirklich liebe (eine unglaublich schlagfertige alte Dame!) und auch in Das Grab der Molly Maguire hatte sie ihre starken, unerschütterlichen Momente (auch vor allem gen Ende hin!). 

Mich hat das Buch wirklich sehr überzeugt und ich finde, dass es sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte! Auch sei hier nochmal erwähnt, dass es mich vor allem sprachlich sehr überzeugt hat.

 Für alle, die eine beondere Affinität zu Sherlock hegen und mal von der modernen Inszenierung - nichts gegen das moderne Sherlock! - wieder ins London des 19. Jahrhunderts tauchen möchten; für all jene die schon immer mal wissen wollten, wie die Fingerabdrucksuche mit Banknoten funktioniert; für all die Sammler, die schon alles bisher dagewesene in sich aufgesaugt haben - für die ist David Gray die nächste Adresse ;-) Und: Natürlich gibt es das Buch auch als Print-Ausgabe!

Ich vergebe 4,5 Sterne, aus dem Grund weil ich den Cliffhanger echt mordsmäßig fand und so dachte: IST DAS JETZT DEIN ERNST? - denn auf den dritten Teil der Studien in Angst muss ich jetzt noch eine Weilchen warten. Und deshalb werde ich mir nun den ersten Teil Der Geist des Architekten zulegen. 

David Gray hat übrigens auch einen Blog, wo ihr witzige GIF's der Sherlock-Serie finden könnt (und natürlich schreibt er auch über sein Autoren-Dasein, und ihr könnt auch einsehen, was er alles schon geschrieben hat und was er noch schreiben wird). Seine Facebook-Seite findet ihr hier. Besucht ihn doch mal, er ist eine sehr nette Person ;-) 

Habt ein schönes Wochenende und schaut unbedingt am Sonntag hier vorbei, denn dann ist Februar! Und für den Februar habe ich etwas für Euch organisiert ;-) 

Keine Kommentare

All content and images ©maaraavillosa 2013-2017 unless stated otherwise. Powered by Blogger.
Back to Top