Ein paar Worte zu ... Lois Lowry: Hüter der Erinnerung

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich Euch eines meiner Lesehighlights aus dem September vorstellen: Lois Lowry Hüter der Erinnerung. Nachdem ich im Sommer bereits durch den Kinotrailer der gleichnamigen Verfilmung auf das Buch aufmerksam wurde, begann quasi eine kleine Jagd auf das Buch mit dem Originalcover. Denn das Buch zum Film wollte ich aus ästhetischen Gründen einfach nicht haben und die Originalausgabe ist auch gleich 3€ günstiger. Haben oder nicht haben?! Nachdem ich dann alle Buchläden der Stadt abgeklappert hatte, natürlich ohne Erfolg, habe ich es dann doch online bestellt. Aber worum geht es überhaupt?

Der Protagonist Jonas lebt in einer perfekten Welt, es gibt kein Leid, keine Not, kein Schmerz, kein Krieg. Zukunftsängste existieren nicht, Entscheidungen müssen nicht getroffen werden, das Leben der Menschen wird von außen organisiert. Wie muss man sich das vorstellen? Durch Medikamente, die den Bewohnern täglich verabreicht werden, sind sie nicht imstande tiefgehende Gefühle zu empfinden oder sonstige äußere Reize wahrzunehmen, die das Gleichgewicht stören könnten. Das Leben jedes Einzelnen wird vom Rat der Ältesten bis ins kleinste Detail geplant, von der Geburt bis in den Tod. Doch Jonas Welt oder sagen wir mal, seine Sicht der Dinge, verändern sich allmählich bevor er ein 12er wird. Er ist wahnsinnig intelligent und unterscheidet sich auch in seinem Aussehen von den anderen. Doch vor allem beginnt er die Organisation seiner Welt zu hinterfragen. Die 12er werden mit einer Zeremonie in das zukünftige Berufsleben verabschiedet - natürlich werden die Berufe auch durch den Rat der Ältesten zugeteilt. Nur Jonas Zukunft bleibt bis zum Ende offen, bis verkündet wird, dass er eben durch sein Andersein zum nächsten Hüter der Erinnerung ausgebildet werden soll. Von nun an hat er die Aufgabe Erinnerungen und Erlebnisse, all das Leid, all den Schmerz, aber auch Liebe und Freundschaft vergangener und zukünftiger Generationen in sich aufzunehmen und auf seinem Rücken zu tragen. Nur er weiß, wie die Welt ausgesehen hat, bevor alles der Gleichheit unterlegen war.

Wie hat es mir gefallen? 
Vielen sagen ja, dass Hüter der Erinnerung ein Muss für jeden Dystopie-Fan sei. Da ich noch nicht viele Dystopien gelesen haben, kann ich das nun nicht beurteilen, aber ich muss sagen, dass mir diese Dystopie wirklich sehr gut gefallen hat. Lowry kann auf wenigen Seiten sehr verständlich eine vollkommen neue Welt erschaffen. Vor allem fand ich genau die Passagen besonders spannend, in dem es eben darum ging, die Menschen mithilfe von Medikamenten vollkommen reizresistent zu machen. Aber Jonas kann sich bestimmten Reizen einfach nicht entziehen. Als er für seine Ausbildung zum Hüter der Erinnerung entscheidet, nicht mehr die reiz- und emotionshemmenden Medikamente zu schlucken fühlt man sich auch als Leser so, als würde man etwas Verbotenes tun und etwas Verbotenes empfinden. Immer in Sorge auf frischer Tat ertappt zu werden. 

 Es war schön, mal wieder ein Buch in den Händen zu halten, das auch ohne eine Fortsetzung bestehen kann und nicht wieder in zig Reihen oder Trilogien und sub-Shortstories endet. Denn ich muss sagen, dass mir der derzeitige Trend der Reihen und Trilogien wirklich ein bisschen auf die Nerven geht. Einzelbände sind in der Bücherwelt in diesem Moment schon Mangelware. Wie seht ihr das? Allerdings wurde am 7. Oktober nun eine The Giver Quartet Box veröffentlicht. Enthalten sind hier für 22,95€ The Giver (Hüter der Erinnerung), Entering Blue,  The Messenger und The Son. Also doch kein Einzelband? Wer weiß da ein bisschen mehr?

Viele schrieben ja auch, dass sie dieses Buch schon zu Schulzeiten gelesen haben und andere schrieben wiederum, dass sie sich gewünscht hätten, Hüter der Erinnerung mal in der Schule zu lesen. Für mich ist Hüter der Erinnerung, ob nun Einzelband oder Tetralogie, wirklich ein sehr schöner Anlass mit Kindern und Jugendlichen auch mal in die Welt der Dystopien einzutauchen, denn Literaturunterricht sollte möglichst viele Genre abklappern und nicht immer nur die Klassiker. Hüter der Erinnerung eignet sich da insoweit sehr gut, als dass das Preisleistungsverhältnis einfach super ist, Dystopien generell gerade der Büchertrend überhaupt sind und sich sowohl Lehrkraft als auch Schülerschaft mit 250 Seiten auch nicht durch endlos lange Wälzer kämpfen müssen, die Geschichte aber trotzdem viel Raum und Zeit für Interpretationen zulässt (Seitenzahlen sind ja auch immer ein ganz wichtiges Kriterium bei Schüllektüren, wer kennt das nicht?!). 

Von daher ist dieses Buch sowohl etwas für das private Lesevergnügen, als auch eine nette Idee für einen Literaturausflug in das Genre der Dystopie. Fünf von fünf Sternen! 

So und beim nächsten Mal bekommt ihr wieder eine normale Rezi, die nicht so ins schulische abschweift - versprochen, hihi! 

Habt ihr Hüter der Erinnerung bereits gelesen? War es aus privatem Interesse oder war es Schulstoff? Wer hat denn schon den Kinofilm gesehen? Yay oder Nay? 

Ich wünsche Euch noch einen wunderschönen Tag und einen guten Start ins Wochenende!

P.S. Und am Sonntag geht es auch endlich mal wieder um Nagellacke ;)

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