Ein paar Worte zu... Daniel Glattauer: Geschenkt

Hallo meine Lieben, 
zum Wochenende habe ich eine wirklich tolle Buchempfehlung für Euch. Daniel Glattauer hat es wieder getan: Er hat einen wunderschönen Roman geschrieben, der diesmal sogar auf wahre Begebenheiten beruht*. Geschenkt kam erst kürzlich im Spätsommer heraus und ist das lange Warten auf eine neue rührende Geschichte aus Glattauers Feder in jedem Fall wert gewesen. Aber worum geht es eigentlich?

Gerold Plassek ist ein Versager in jeder Hinsicht. Schuld daran ist wohl vor allem der Alkohol, nachdem er suchtet ... oder der wohl eher ihn heimsucht, denn Gerold streitet selbstverständlich jegliche Probleme mit der Flasche ab. Einst war er ein ziemlich erfolgreicher Journalist, jetzt kämpft er sich bei einer Gratiszeitung durch, die sein schreiberisches Talent in keinster Weise würdigt. Warum auch nur? Zu seiner Tochter Florentina, die bei ihrer Mutter lebt, hat er nur schwer einen Draht in den letzten 15 Jahren aufbauen können und plötzlich sitzt Manuel in seinem Büro - ebenfalls sein Sohn, wie ihm seine Ex Alice am Telefon erzählt, um den er sich doch jetzt bitte kümmern soll, da sie gerade für Ärzte ohne Grenzen in Afrika unterwegs ist. 

Versagt im Job, versagt als Vater, eine Freundin hat er auch keine und da sitzt nun noch ein pubertäres Stück seiner selbst. Gerold wird plötzlich mit all dem konfrontiert, wovor er sich all die Jahre in den Alkohol geflüchtet hat: Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen und zuverlässig tragen. Doch eine anonyme Geldspende bei einem Obdachlosenheim schweißt die beiden schneller zusammen als gedacht, denn der Spende wurde zudem ein Zeitungsartikel beigelegt, den Gerold kürzlich erst verfasst hatte und das sollte nicht die letzte anonyme Spende gewesen sein...

So viel erstmal zum Inhalt. Wie es ausgeht und wer nun der anonyme Spender oder die anonyme Spenderin ist, sollt ihr natürlich selbst herausfinden. Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen. Nach Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen, ist Geschenkt auf jeden Fall eine gelungene Abwechslung und muss sich keinesfalls hinter den anderen beiden Bestsellern verstecken. Geschenkt war seit Langem mal wieder ein Buch, welches viel Lesezeit einforderte, obwohl es gerade mal 330 Seiten hat. Die Zeit im Roman aber erstreckt sich über vier Monate und irgendwie wollte man diese vier Monate nicht in zwei Tagen durchleben. Denn letztlich ging es immer weniger darum, wer für die Spenden verantwortlich ist sondern darum, wie Gerold die Beziehung zu seinen Kindern aufbaut, ob es ihm glückt, ob doch so etwas wie Vaterqualitäten in ihm stecken. Auch hofft man für ihn, dass er endlich die richtige Ausfahrt erwischt, in seinem Job als Journalist aufgeht, dass man ihm seine Arbeit dankt. Und was die Frauenwelt betrifft: Wie gut würde ihm doch mal eine Freundin tun, zum Beispiel seine Zahnärztin Rebecca. 

Gerade Letzteres war Glattauer unheimlich gut geglückt, so gab es Passagen, in denen Gerold seiner Rebecca SMS'n schreibt und er sich in einem inneren Monolog für die richtige Wortwahl entscheidet ("Es war wundervoll! Aber war wundervoll wirklich der richtige Ausdruck? Das klang eher nach einem einmaligen Wunder, das sich nie wiederholen oder gar übertreffen ließ. Wunderschön war vielleicht besser, denn wunderschön hieß, dass es zwar ein Wunder war, was aber nicht bedeutete, dass es zwangsläufig bereits selbst ein Wunder war. [...] Also schrieb ich: Es war wunderschön. Plus zwei Ausrufezeichen!"). Gerade diese Zeilen machten Gerold zum einen wirklich unglaublich sympathisch, zum anderen zeigt es aber auch, was für einen unsicheren Charakter Glattauer da eigentlich geschaffen hat, der ja eigentlich nur alles richtig machen möchte und nicht weiß wie, beziehungsweise vielleicht auch ein paar helfende Hände benötigt. 

Und ich finde auch, dass das Buch unglaublich viele schöne gesellschaftliche Kritikpunkte mitbringt, die eher beiläufig erwähnt werden, aber dennoch einen sehr harten wahren Kern beinhalten ("Von einer Tarock-Runde am Fenstertisch ging die vergleichsweise größte Dynamik aus, die meisten anderen wirkten eher lethargisch beziehungsweise besinnlich, um es weihnachtlich auszudrücken, und waren entweder in ein Gespräch oder in sich selbst versunken - oder in ihr Handy vertieft. Seit diese Geräte in Umlauf waren und gesellschaftlich den Ton und auch das Bild angaben, wirkten die Menschen ja sogar in der absoluten Einsamkeit und Leere noch immer irgendwie vollzeitbeschäftigt!"). 

Insgesamt lässt sich sagen, dass Geschenkt eine sehr schöne Geschichte ist. Glattauer liefert authentische Charaktere, mit denen ich sofort warm wurde und auch das Ende der Geschichte war für mich in Ordnung. Ich habe dem Buch vier von fünf Sternen gegeben, da mir noch so das kleine gewisse Etwas gefehl hat, aber auch ohne ist es wirklich sehr sehr lesenswert.

*Für das Wunder von Braunschweig geht es hier entlang ;) !

Ich wünsche Euch einen tolles Wochenende! 

Kommentare

  1. Das hört sich gut an. Muss ich mir mal merken.

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    1. Auch seine Vorgänger sind eine Schmöckerstunde wert :)

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