Ein paar (ausführliche) Worte zu... M. Anjelais - Killing Butterflies



Hallo ihr Lieben, 
anfang dieser Woche erreichte mich tolle Buchpost von Chicken House Deutschland, beziehungsweise vom Carlsen Verlag. Vielen lieben Dank nochmals dafür, ich habe mich wirklich sehr gefreut! Zugesendet wurde mir wieder ein Roman einer Jungautorin: M. Anjelais und Killing Butterflies. Die Autorin ist gerade mal 21 Jahre alt, schreibt aber schon seit ihrem 14. Lebensjahr. Auch beruflich hat sie sich nun vollends auf das Schreiben konzentriert und nach vielen Kurzgeschichten ist nun dieses Jahr ihr Erstwerk unter dem Titel Breaking Butterflies erschienen. Aber worum geht es überhaupt? 

 Sphinx und Cadence kennen sich seit frühester Kindheit. Schon die Mütter der beiden, Sarah und Leigh, sind Freunde seit Spielplatztagen. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne, wie wohl ihre gemeinsame Zukunft verlaufen sollte und dass die Kinder, die sie mal haben würden zusammen aufwachsen sollten:sie sollten miteinander spielen, sich kennen und lieben lernen, heiraten und den Müttern Enkelkinder schenken. Die "Bestimmung" ihrer Kinder war bis ins kleinste Detail durchgeplant. Und tatsächlich ereignet sich alles so, wie von den Müttern erhofft, nur dass Candence und Sphinx nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Sphinx freundlich und aufgeschlossen ist, vielleicht ein bisschen zu pummelig für ihr Alter, ist Cadence der schöne Junge mit den hellblonden Haaren und den eisblauen Augen, extrem talentiert und charismatisch zugleich. Aber mit Cadence stimmt etwas nicht. Während eines harmlosen Spiels im Garten zerquetscht Cadence ohne einen Hauch von Emotion einen Schmetterling. Wenig später verletzt er Sphinx mit einem Messer. Der Vater von Sphinx unterbindet nach diesem Vorfall den Kontakt zwischen den Kindern, Cadence und seine Mutter geben ihren Wohnsitz in Amerika vollständig auf und ziehen nach England. Dort macht Cadence eine Therapie, die Mütter haben zudem immernoch sporadisch Kontakt. Bis Sarah, Sphinx Mutter, einige Jahre später die schlechte Nachricht ereilt, dass Cadence schwer erkrankt ist und er sich nichts sehnlicher wünscht, als Sphinx noch einmal wiederzusehen. So reisen Mutter und Tochter gegen den Willen des Vaters nach England, zunächst nur für einen einwöchigen Besuch. Sphinx trifft nach so vielen Jahren auf Cadence, aber mal abgesehen von seinem umwerfenden Aussehen, hat sich nicht viel verändert. Cadence ist nach wie vor unberechenbar. In den folgenden Tagen werden Sarah, Leigh und Sphinx zu seinen Marionetten, die ihm seine restliche Lebenszeit irgendwie versuchen erträglich zu machen, aber Sphinx entscheidet ziemlich schnell für sich, dass ihr Besuch länger als nur eine Woche andauern wird - nämlich bis zu Cadence Ende.

So viel erstmal zum Inhalt, diesmal ein bisschen umfangreicher. Und nun zu meiner Meinung. Es ist wirklich sehr schwer eine Rezension über dieses Buch zu verfassen. Deshalb tasten wir uns erstmal langsam vor. Zunächst hat mich das Buch vor allem durch seine Optik sehr angesprochen, denn alleine dieser Schmetterling und auch die gewählten Farben werden im Buch immer wieder eine prägnante Rolle spielen. Auch was die Idee rund um Soziopathie angeht, war ich sehr gespannt auf die eigentliche Umsetzung. Leider muss ich aber sagen, dass der Autorin diese Umsetzung auf verschiedenen Ebenen für mich nicht geglückt ist. 
 Aber vielleicht müssen wir vorher erst einmal klären, was Soziopathie ist. Als Soziopathen werden Personen bezeichnet, die nur sehr eingeschränkt fähig sind, jegliche Art von Emotionen zu empfinden. Ihnen fehlt es an Empathie, sie lehnen Normen und Werte ab und sehen sich nicht als Verantwortliche; ihnen fällt es schwer, langfristige Beziehungen aufzubauen, sie sind durch Aggressitivität oder auch gewaltbereitem Verhalten gekennzeichnet und vor allem fehlt ihnen die Fähigkeit aus Erfahrungen zu lernen, sprich sie können eben auch die Folgen ihres Handelns nur schwer bis gar nicht einschätzen. 

M. Anjelais hat auch dieses Krankheitsbild auf den ersten hundert Seiten mit den Zuschreibungen zu Cadence' Charakter sehr gut dargestellt und auch die Stelle, in der Cadence diesen schönen Schmetterling einfach ohne mit der Wimper zu zucken tötet, war sehr eindrucksvoll geschrieben, sodass sich beim Leser, also mir, tatsächlich ein Unwohlsein bemerkbar gemacht hat. Aber danach passiert einfach nichts mehr, was in irgendeiner Art und Weise nachvollziehbar wäre. 

Cadence wird krank. Okay. Sarah und Sphinx reisen dorthin. Okay, da ging ich auch noch mit. Aber dann fühlt sich Sphinx für Dinge verantwortlich, für die sie gar nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Ich meine, da sind Verantwortliche in diesem Buch, nämlich die Eltern. Aber irgendwo auf den letzten 260 Seiten findet ein Rollentausch statt: Sarah und Leigh, die Mütter, werden wieder zu Kindern, die mit der Situation vollkommen überfordert sind, einer Ohnmacht nahe, und eine Sechzehnjährige soll jetzt das ganze Ding irgendwie rumreißen? Funtioniert nicht. Der einzige agierende erwachsene Part in dieser Geschichte ist Sphinx Vater. Nur er sieht, dass von Candence eine Gefahr für alle Beteiligten ausgeht. Denn Cadence ist nunmal aufgrund seiner psychischen als auch körperlichen Krankheit ein sinkendes Schiff, welches alle mit runterziehen wird, auch wenn es seinerseits nicht beabsichtigt ist. Aber weder hören die Frauen auf den Vater, noch schwingt er seinen Hintern selbst ins Flugzeug und mischt sich in diese verfahrende Situation ein und hilft, damit nicht alles und jeder heillos über Board geht. Das hätte ich an vielen Stellen einfach erwartet. 

Ich hatte auch zunächst eigentlich den Eindruck, dass Sphinx ein ziemlich intelligentes Mädchen ist. Aber nachdem sie sich dann immer mehr in inneren Monologen reinsteigerte, für all dies verantwortlich zu sein und dass sie für Cadence Mutter da sein müsse und so weiter, dachte ich nur:"So bringt doch endlich mal einen Charakter ein, der dem Mädchen mal die Last von den Schultern nimmt!" Denn selbst Sphinx Mutter fliegt ja nach einer Woche einfach zurück nach Amerika und lässt ihre Tochter dort. Ich weiß nicht, ob diese Konstruktion absichtlich ist und ich habe auch nicht erwartet, dass hier Liebe irgendwas retten könnte (denn wo keine Emotionen sind, wie sollte da Liebe entstehen?), aber für mich tat sich da wirklich die Frage auf, ob nicht auch Sphinx "unnormal" ist. Denn in vielen Situationen, wenn nicht sogar in allen, beschwor sie die Abwärtsspirale geradezu herauf. Und auch diese Beziehung, die Sphinx und Cadence haben, ist für mich nach wie vor fragwürdig. Einerseits fühlt sich Sphinx in Candence Nähe sehr unwohl, wünscht sich, dass ihre Mutter nun da wäre und andererseits ist da dieses Mädchen, dass sich ja schon fast wünscht, dass Cadence sie in irgendeiner Form verletzt. Gen Ende hin fordert er sogar ihren Freitod, weil der Plan ihrer Mütter ja ohnehin nicht in Erfüllung gehen würde. Großes Fragezeichen an vielen, vielen Buchstellen.

Sicherlich ist es nicht einfach eine fiktive Geschichte um das Thema Soziopathie aufzubauen, deshalb ehrt es die Autorin insofern, als dass sie es zumindest versucht hat. Aber wäre es nicht auch interessant gewesen, wenn einige Kapitel aus Cadence Sicht geschrieben wären? Denn letztlich geht es doch um ihn und nur um ihn. 

Während die ersten hundert Seiten wirkliche page turner sind, plätschert der Rest dann nur noch vor sich hin - leider. Auch die inneren Monologe von Sphinx blieben dieselben, es kam keine neue Erkenntnis hinzu und ich konnte da letztlich keine Entwicklung ihres Charakters feststellen. 


 Was mich auch ein bisschen genervt hat, wofür aber weniger die Autorin etwas kann, ist der "deutsche" Titel des Buchs. Warum muss man den Titel, wenn er denn Englisch bleibt, nochmals abändern? Zumal es durchaus einen sehr starken Unterschied zwischen breaking und killing gibt und breaking in Anbetracht des Themas Soziopathie einfach passender und angebrachter gewesen wäre. Aber das sei nun so dahingestellt. 

 Der Klappentext von Killing Butterflies verspricht mehr, als das Buch dem Leser oder der Leserin am Ende zu geben vermag. Das ist sehr schade für ein Debüt. Aber vielleicht verrannte sich die Autorin M. Anjelais in ihrer Thematik am Ende einfach selbst und kam da nicht mehr so wirklich raus. Schade. 

Ich wünsche Euch noch einen tollen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche, 

Kommentare

  1. Schade, dass du nicht so begeistert von dem Buch bist, ich war nach der Leseprobe so begeistert. Ich will es immer noch gerne lesen, auch wenn deine Rezension nicht unbedingt positiv war. Mal sehen - es bleibt auf der Liste. Deine Rezension ist auf jeden Fall sehr gut geschrieben - und was ich wirklich gut finde: ausführlich. Daumen hoch!

    Liebe Grüße und schönen Abend wünsche ich dir noch,
    Casey

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    1. Liebe Casey,

      ich hatte mir eigentlich auch mehr erhofft und wie gesagt: die ersten 100 Seiten waren top, aber dann ... aber Geschmäcker sind ja nicht umsonst verschieden, und die Bücher die mir nicht zusagen, sprechen mit dir vielleicht viel positiver als mit mir, deshalb solltest du es trotzdem lesen und dir ein eigenes Bild davon machen :) Vielleicht kannst du dem Ganzen ja doch mehr abgewinnen und wenn dem so ist, bin ich in jedem Fall so oder so auf deine Buchmeinung gespannt :)

      Vielen lieben Dank für deinen langen und ausführlichen Kommentar! Ganz liebe Grüße,
      maaraavillosa <3

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